Die Stimme des Wutbürgers: Wohnungsnot

von Gordon Worthmann

Zur Wohnungsnot: viele Studierende in Düsseldorf haben Probleme, eine anständige Unterkunft zu finden, aber nur wenige Kommilitonen sind wie Danny. Sie muss nun schon in ihre dritte Wohnung ziehen, weil ihr der Vermieter aufgrund einer legendären Party den Mietvertrag kündigte – mal wieder. Für das Thema Wohnungsnot hat sie nur ein müdes Lächeln übrig…

„Apocalypse Now!“ Die Mayas prophezeiten, dass in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember 2012 die Welt untergehen würde. Dies war wohl ihr schwerster Fehler, unmittelbar neben der Annahme, dass man mit den weißen Siedlern aus Europa friedlich nebeneinander leben könnte. Aber an einem Ort trat tatsächlich die Apokalypse ein: in Düsseldorf, in einer Studenten-WG an der Uni-Süd wollten 200 Kommilitonen das jüngste Gericht mit einer dicken Party im Stil von „The Hangover“ und „Project X“ willkommen heißen. Danielle-Christine Ebers, landesweit verrufen als Danny (5.Semester, Sozialwissenschaften), war damals noch Untermieterin, sollte die Bude aber nach dem anstehenden Auszug einer Freundin übernehmen. Daher brauchte der Vermieter nicht lange zu fackeln, als er ihr noch am Morgen darauf die Kündigung aussprach. Bilanz des Schreckens: Jede Menge Schnapsleichen, ein ausgebranntes Feuerwerk in der Küche, illegaler Zutritt zum abgeschlossenen Nebenzimmer, Fenster zerstört und Außenwand des Hauses bemalt. Die üblichen Vergehen bei Studentenpartys wie Ruhestörung wurden da schon gar nicht mehr ins Auge gefasst. Es erfolgte ein direkter Rauswurf noch um halb Acht in der Früh. Und die Einzugsparty wurde zur Auszugsparty…

„Aber für das berufliche Weiterkommen ist so eine Party unverzichtbar“, erläutert uns Danny frech im Rückblick. Nun wäre dieses Szenario für die meisten Studierenden ein wahrer Alptraum, wo es doch schon schwer genug ist, eine anständige Wohnung zu finden. Aber Danny schaffte es, sich am Fürstenwall ein neues Nest zu ergattern. Dass das Vermieterpärchen direkt unter ihr wohnte, hielt sie natürlich nicht davon ab, zur Einweihung erneut eine fundamentale Fete zu schmeißen. Diesmal waren es „nur“ 50 Gäste, aber sie verwandelten die besenreine Wohnung mit einem professionellem DJ und einem Cocktailbarmixer sehr schnell zu einem Orgientempel, an dem Kaiser Caligula sicher seine helle Freude gehabt hätte. Auch dass die Badewanne voller Alkohol war, man mit einem gekaperten Einkaufswagen durch die Flure sauste oder andere Gäste in den Vorgarten pullerten, mag noch nicht die Aufmerksamkeit der Vermieter und Nachbarn erweckt haben. Zunächst wurde nur die Polizei geholt, die Danny im mittlerweile angeschwipsten Zustand zunächst für die routinemäßigen Stripper hielt. Was auch sonst!? „Macht eure Show, aber ihr braucht nicht ganz blank ziehen!“, raunte sie den Blaumännern noch großmütig entgegen. Die Beamten versuchten – sichtlich irritiert – ihre Autorität zurückzugewinnen und sprachen zunächst eine Mahnung aus, wie man es von dem fleischgewordenen Justizapparat gewohnt ist. Was das Fass aber dann zum Überlaufen brachte, waren das laute Klopfen und die Bumsgeräusche im Treppenhaus, welche von einem intimen Pärchen herrührte. Sie verwandelten die öffentliche Korridore in einen Liebes-Moloch, wo sich Szenen abgespielt haben, die man sonst nur aus Tierdokumentationen kennt. Also rückte das zweite Überfallkommando der Polente heran und Dannys Alibi war ebenso wasserdicht wie der Muschel-BH einer Meerjungfrau. Aber kein Problem, die Feier wurde einfach in die Altstadt verlegt, nachdem man zuerst versucht hatte, den Wagen eines Nachbarn zu erstürmen. Diesmal folgte die Kündigung zwar nicht sofort, flatterte aber auch schon alsbald in den Briefkasten, und kann hier im Anhang abgedruckt begutachtet werden. Man bemerke die artifiziellen Begründungen des Hausverwalters.

Wie jeder vernünftige Mensch auf der Flucht setzte Danny die alte Tradition unter Geächteten fort und seilte sich erst mal nach Südamerika ab – natürlich nur, um auch gleichzeitig ein Feldexperiment für ihr Studium vor Ort durchzuführen. Wir sind ja schließlich alles angehende Akademiker und die Elite von morgen. Mittlerweile ist sie wieder auf deutschem Boden und hat ihre Lektion gelernt. „Die Party war den Rausschmiss wert!“, versichert sie und erklärt, dass sie ohne große Probleme bereits eine neue Bleibe in der Dorotheenstraße in Flingern gefunden hat. Und ja: Dort zündet am Freitag, dem 15. November, bereits die nächste Einweihungsparty. Ob daraus wieder eine Auszugsparty wird? Unsere CD-Redakteure werden dabei sein und euch davon berichten.

Für alle, die sich nun allein fühlen mit ihrem Problem, eine angemessene Unterkunft zu finden: Denkt an Danny und ihr erkennt, dass es immer wieder Menschen gibt, die noch abgewrackter sind als ihr und selbst noch aus einem Misthaufen einen Muskatnuss-Schokoriegel kreieren können. Lasst den Kopf nicht hängen, ihr seid Studenten. Die Zukunft gehört Euch. Also, carpe diem!

Am Tage die unscheinbare Danielle-Christine Ebers…

…verwandelt sie sich nachts in Danny!