Wohnungssuche in Düsseldorf? Katastrophal!

Von Alina Konietzka

8. Wohnungsnot_Karikatur_von_Jill_April

© Jill April

In jedem neuen Semester gestaltet sich die Wohnungssuche für neue Studentinnen und Studenten der Heinrich-Heine-Universität als nervenaufreibender Horrortrip. Für die vielen Neu-Düsseldorfer gibt es kaum erschwingliche und gleichzeitig angenehm bewohnbare Unterkünfte.

Die 19-Jährige Saskia hat eine wahre Odyssee der Wohnungssuche hinter sich gebracht: „Ich habe viel gesucht und unmögliche Sachen gesehen.” Wohnungen, die zwar günstig waren, sich jedoch als Kaschemmen mit kaputter Heizung und ramponierten Möbeln herausstellten, oder attraktiv gelegene Bleiben in der Düsseldorfer Innenstadt: kuscheliges Wohnen auf 11qm für schlappe 400€ im Monat. Dazu zahlreiche WGs – mal mehr, mal weniger nett: „Ich habe blaue Haare und höre Metal. Da fällt man schon mal schnell aus der Kandidaten-Liste raus.” Am Schlimmsten allerdings war die Besichtigung einer ausgeschriebenen Familien-WG: „Der Besitzer war eine unangenehme Person. Ich empfehle jedem, nicht alleine auf Suche zu gehen sondern mit Eltern oder jemandem, der sich bereits damit auskennt. Man kann dort an vielen Ecken beschissen werden”, resümiert die Erstsemester-Studentin aus Recklinghausen.

Düsseldorf auf Platz 14 der Städte mit den kritischsten Wohnungsmärkten

Saskia steht mit ihren Erfahrungen nicht alleine da. Nach einer Studie der Berliner Immobilienentwickler GBI ist die Wohnungssituation zum Wintersemester 2014/2015 in 32 Hochschulstädten Deutschlands kritisch. 81 Städte wurden nach Kriterien wie Mietpreisen, Studierendenzahl, Zu- und Wegzügen und Attraktivität der Uni bewertet. Das Ergebnis: vor allem in den Metropolen verschlechtert sich die Lage weiter. Angebot und Nachfrage driften derart auseinander, dass auch für die Zukunft ein deutlicher Mangel prognostiziert wird. Während es München, Hamburg und Frankfurt am härtesten trifft, bewegt sich Düsseldorf auf Platz 14 im Ranking der angespanntesten Wohnungsmärkte. Das ist zwei Plätze schlechter als noch im letzten Jahr. In Nordrhein-Westfalen stehen nur Köln und Münster noch mieser da.

„Wohnungssuche? Katastrophal!”, beschreibt auch Ann-Kathrin ihre Erfahrung vor dem Studienstart an der Heinrich-Heine-Universität. Der 22-Jährigen fiel besonders die weite Anreise aus Sachsen zur Last: „Viele meinen, man könnte von heute auf morgen zu Besichtigungsterminen kommen und haben null Verständnis, wenn man dies aus Zeit und Geldgründen – ein Bahnticket kostet mindestens 80€ – nicht jedes Mal kann.” Um schließlich eine Bleibe zu finden, musste sie mit dem Flugzeug kommen. Kirsten (20) aus Marl hat sich eine andere Lösung gesucht. Sie wohnt jetzt in Bochum: „Von dort aus ist die Anfahrt noch zumutbar.” Aufgrund dieser offensichtlichen Probleme und notdürftigen Lösungen stellt sich die Frage, ob es denn keine Anlaufstellen gibt, die sich um potenziell obdachlose Studierende kümmern – so etwas, wie das Studentenwerk Düsseldorf? Robin (19) aus Bremen winkt ab: „Das Studentenwerk hat kein bisschen geholfen. War wohl alles voll.”

Letzte Rettung Studentenwerk?

Tatsächlich haben auch die vom Studentenwerk betriebenen Wohnheime nur eine begrenzte Anzahl an freien Plätzen. Derzeit bietet das Studentenwerk davon um die 3000 an, doch der Bewerbung auf einen solchen Platz folgt eine in der Regel lange Wartezeit. Das Studentenwerk empfiehlt Erstsemestern, sich am besten ein Semester vor Studienbeginn auf einen Platz im Wohnheim zu bewerben. Seit geraumer Zeit bemüht man sich um weitere rund 120 Wohnräume nahe der Fachhochschule in Derendorf, allerdings konnten die Verhandlungen noch kein Ergebnis erzielen.

Um schnelle Abhilfe zu leisten, bietet der AStA der Fachhochschule Düsseldorf schon seit mehreren Jahren die Aktion „Kellerkinder“ an: Studierenden ohne Unterkunft werden für die ersten paar Wochen Notschlafplätze in einem Keller angeboten. Auch der AStA der Heinrich-Heine-Universität kennt die Lage. „In den ersten Wochen waren einige Studierende bei uns, die wir an die Notschlafstätten der FH verwiesen haben.“, berichtet Anna Tenti, 3. stellvertretende Vorsitzende des AStA der Heinrich-Heine-Universität. Eigene Notschlafstätten bietet der AStA der HHU nicht, allerdings sei dies eine Überlegung für die Zukunft. Der Blick richtet sich auch auf das große Ganze: „Erstrebenswert wäre, die Situation in Düsseldorf im Gesamten zu verbessern und Druck auf die Stadtpolitik und das Studentenwerk auszuüben. Wir brauchen dringend mehr bezahlbaren Wohnraum.“

Immerhin Saskia hat ihren bezahlbaren Wohnraum noch gefunden. Sie ist in einem Wohnheim des Studentenwerks untergekommen. Wie hat sie das geschafft? „Viele fragen mich, ob ich mich schon im Juni beworben habe, aber das war erst Anfang September. Ich habe oft mit der zuständigen Person Mails geschrieben und oft meine Notlage erklärt. Hätte ich nicht speziell nachgefragt, glaube ich, dass ich heute noch warten würde. Ich hatte riesiges Glück, da ich viele andere kenne, die viel weiter weg wohnen als ich und immer noch suchen.” Allen, denen es so ergeht, kann man wohl nur folgendes wünschen: stählerne Nerven, Unterstützung, Beharrlichkeit und am allermeisten – viel Glück.