I. Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken

von Kurt Spindler

>> Wer oder was ist Enzo? Ja, wenn ich das doch nur selbst wüsste. Weder Ärzte noch Fachmänner konnten mir bisher helfen. Und nun soll ich darüber berichten als Form einer inneren Reinigung? Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich davon halten soll, denn mit den Gedanken ist es zuweilen ja wie mit der Jagd nach Schmetterlingen: Man wird sie nicht einfangen, wenn man ihnen ständig hinterher rennt. Oft ertappe ich mich selbst dabei, wie ich vor dem Spiegel stehe und einen Dialog mit mir selbst führe, in der naiven Hoffnung, mal wieder mit einem normalen Menschen sprechen zu können. Sei’s drum. Also ich soll ganz vom Anfang aus starten? Na, schön. Mein Name ist Benedikt Deckard, aber alle nennen mich nur Ben…so wie Ben Kenobi. Und wenn man wissen will, wer oder was Enzo ist, muss man erst wissen, wer Coco ist. Denn erst über sie lernte ich ihn…oder es kennen? Naja, egal. Zumindest beim Namen Coco bimmelt es in meinem Gehirn heftiger als die Türklingel in Quasimodo’s Dachgeschosswohnung. Coco war nämlich die Frau meiner Träume. Naja, eigentlich heißt sie Cornelia Cortczynski, aber verständlicherweise will sie lieber Coco genannt werden. Jetzt keine Witze, denn ich habe noch nie ein so ehrliches und lebensfrohes Mädchen gesehen. Mit ihr fing alles an. Und ich hätte nie gedacht, dass ein Mensch ein anderes Leben so durcheinander bringen kann.

Ich lernte Coco das erste Mal kennen, als wir bei Tanja…nein, ich fange lieber wirklich ganz von vorne an. Denn Tanja ist Cocos ältere Schwester. Satte 15 Jahre liegen zwischen den beiden Mädels. Coco ist 20 Jahre jung, ihre Schwester zu diesem Zeitpunkt 34. Doch das ist nicht das Einzige, was die beiden trennt; auch sonst waren sie sehr verschieden. Auf den ersten Blick war Coco ein Mauerblümchen, eine Art graue Maus…ich denke, jeder weiß, was ich meine. Tanja hingegen gehörte zu jener Art von Frauen, wo man in die Hände klatschte und Gott dankte, dass man als Mann auf die Welt gekommen war. Jeder Kerl, der dieses Weib das erste Mal gesehen hat, ist kurz darauf aufs Klo geflitzt und hat dort James Bond gespielt. Naja, eben geschüttelt, nicht gerührt. Oder hieß es Fünf gegen Eins spielen? Egal, ich will jetzt hier keine Synonyme fürs Wichsen suchen, denn das haben wir in der Bibelgruppe schon oft genug durchgekaut. Was ich sagen will: Die Blondine war so sexy, dass sogar Frauen sie scharf finden konnten, ohne dabei lesbisch zu werden. Was ist eigentlich die Steigerung von sexy? Sexyer oder sexier? Am sexisten!?

Jedenfalls lernte ich Tanja vor Coco kennen und war wie jedes Lebewesen auf diesem Stern mit einem Y-Chromosom natürlich heiß auf sie. Darum lud ich sie zu meinem 28.Geburtstag ein; vorher hatte ich sie nur ein paar ein paar Mal gesehen, aber mein bester Kumpel Paul kannte sie besser und er wollte mir helfen, bei ihr zu punkten. So hat er mich vor Tanja wohl wie in einer Excelgleichung namens Ben = SUMME(Christian Grey:Batman:Enrique Iglesias)² beschrieben. Er half mir, weil er mir noch eine Menge schuldig war. So hatte ich ihm u.a. einen neuen Job organisiert, als er seinen Dienst bei der Sondereinheit der GSG9 quittierte – wegen Mobbing am Arbeitsplatz. Miese Geschichte: Als seine Truppe beispielsweise das von den Terroristen entführte Flugzeug stürmen wollte und es beim Abzählen des Kommandos auf Drei endlich losging, bemerkte er plötzlich nach dem Eintreten der Bordtür, dass er ganz alleine im Flieger stand. Gleichzeitig spürte er just in diesem Moment, dass seine Kollegen ihm wohl Juckpulver in die kugelsichere Weste gestreut hatten. Dennoch war auf ihn Verlass. Zumindest glaubte ich das bis dahin. Aber zunächst schien mein Plan aufgegangen zu sein. Tanja kam auf der Feier persönlich zu mir und schenkte mir zwei Karten für die Ausstellung der Nouvelle Vague im Düsseldorfer NRW-Forum. Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass ich zwar noch Student bin, aber nebenher als Journalist, bevorzugt als Filmkritiker arbeite. Neidisch? Nicht, wenn man sich einen Twilight-Marathon geben muss. Dann kommt man sich als ein noch größerer Pechvogel vor wie dieser Typ neulich aus der Zeitung, der sich gesünder ernähren wollte und dann beim Verzehr seines Salates erstickt ist…an einem vierblättrigen Kleeblatt! Das Schönste an dem Abend war aber, dass Tanja mich zu meiner eigenen Überraschung fragte, ob ich und Paul nicht demnächst mal bei ihr zum Essen vorbei kommen wollten. Ihre Schwester Coco sei gerade nach einem Jahr wieder aus dem Ausland zurückgekommen und sie wolle deswegen ein kleines Dinner geben. Ich kannte Coco da noch nicht, aber das sollte sich ändern, denn ich willigte natürlich ein.

Nach zwei Wochen war der große Tag schließlich gekommen. Paul und ich fuhren zur Erasmusstraße 15 in Bilk, wo Tanja eine geräumige Eigentumswohnung im Hinterhof besaß. Auf dem Weg dorthin teilte mir Paul mit, was er Tanja vorher über mich erzählt hätte. Ich weiß nicht mehr, welches Kollektiv aus Flachsinn und Schwachfug da aus seinem Mund plätscherte, aber ich erinnere mich noch, dass ich mich am meisten darüber echauffiert hatte, dass er behauptet hätte, ich hätte in Uganda gearbeitet – an einem Heilmittel gegen Aids! Nur um das mal klarzustellen: Ich habe Flugangst, nach Schwarzafrika würde es mich nur hinverschlagen, wenn ich eine Diät machen wollte und auf der letzten Weihnachtsfeier habe ich sogar noch Witze über hungernde Negerkinder gemacht. Soviel dazu. Ich hoffte nur, dass alles glatt verlaufen würde. Schließlich kamen wir an und nach einer herzlichen Begrüßung führte Tanja uns in den milchigen Wintergarten, wo bereits ein bleicher Typ mit Rollkragenpulli und Kassenbrille saß. Von seinem Haupt hing eine einzelne, schwarze Superman-Schmalzlocke herunter, die wie ein kursives Komma ausschaute.
„Das ist Martie“, verkündete Tanja. „Mein Freund!“ In diesem Moment traf es mich so hart wie ein saftiger Tritt in meine beiden Kiwis. Tanja war bereits vergeben? Und Paul, dieser Rosettenkaspar, hatte sich bei all seiner Vorarbeit nicht die Mühe gemacht, diese beiläufige Info herauszukitzeln? Langsam kann ich verstehen, warum bei seiner ehemaligen Arbeit das Toilettenpapier mit seinem Konterfei meliert war. Ich war kurz vorm Platzen, versuchte aber, es mir nicht anmerken zu lassen.
„Coco, kommst Du bitte? Unsere Gäste sind da!“ rief Tanja in die Küche. Daraufhin trat eine fidele, junge Frau ein. Ihre blonden Haare schienen wie eine Wolke um ihren Kopf herumzuschweben. Sie hatte ein junges, kindliches Gesicht, auf dem noch der Tau lag. Ein paar versprengte Sommersprossen und, versteckt hinter einer kleinen Nase, ihre Augen, deren Ausdruck die pure Sanftheit wiedergab.
„Hallo“, begrüßte sie uns schüchtern und setzte ein strahlendes, aber ehrliches Grinsen auf. Ich wusste gar nicht, dass man mit 20 Jahren noch eine Zahnspange trug. Immerhin trug sie keine Brille. Nicht, dass ich was gegen Brillenträger hätte, aber damit wäre das Klischee der grauen Maus wohl mehr als deutlich erfüllt worden. Aber so sah ich Coco nun das erste Mal und sie ließ mich noch vollkommen kalt. So nahmen wir denn Platz. Doch schon bei der Vergabe der Stühle kam es zu ersten Komplikationen, denn als Paul sich neben mich und damit gegenüber von Coco setzen wollte, legte diese plötzlich vorsichtig Widerspruch ein.

„Nicht“, sagte sie behutsam, „da sitzt Enzo!“ Hier hörte ich zum ersten Mal den verfluchten Namen.
„Huch, erwarten wir noch Besuch?“, fragte Paul leicht amüsiert.
„Tu lieber, was sie sagt“, war Tanjas kurze Antwort und der Ton in ihrer Stimme gefiel mir irgendwie nicht. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis ich herausfand, warum.
„Ist Enzo Dein Freund?“ fragte Paul Coco, und diese errötete schüchtern.
„Oh, ähm, ja. Aber er ist nicht mein fester Freund. Er ist eine Art Kumpel, fast schon wie ein Bruder.“ Tanja unterbrach sie galant.
„Coco, möchtest Du uns nicht lieber von Deinem Aufenthalt in Südamerika erzählen?“, fragte sie ihre kleine Schwester. Während Paul sich einen Stuhl weitersetzte, fing Coco sofort an, freigiebig von ihrem Auslandsjahr zu erzählen.
„Oh, ich war für ein Jahr in Brasilien und habe bei einem Indiovolk gelebt. Ich lernte das Zusammenleben im Stamm kennen und wie die Menschen im Einklang mit der Natur leben. Man hat immer Mitleid mit diesen Eingeborenen, weil sie scheinbar so primitiv und zurückgezogen leben. Aber sie sind auf eine Art eher wie Kinder, sie kennen keine Sorgen. Sowas wie eine Einkaufsmall, Handys oder Aktienmärkte brauchen sie einfach nicht, um glücklich zu sein. Sie haben sich. Und das genügt ihnen.“
„Klingt schön“, ergänzte ich. „Warum bist Du nicht länger dort geblieben?“
„Hmmm? Oh, der Stamm wurde von seinem Land vertrieben weil Starbucks den Regenwald für neue Kaffeefelder roden wollte.“
„Ahja“, antwortete ich nur abschätzig.
„Halb so wild. Sie wurden in ein Reservat in der Nähe von Sao Paulo eingepfercht“ Ich hoffte, das Thema würde gewechselt werden und…naja, das wurde es.
„Ben hat auch mal in der Dritten Welt gelebt“, erwähnte Tanja.
„Hab ich?“ fragte ich irritiert.
„Oh, Paul erzählte uns, Du hättest in Uganda an einem Heilmittel gegen Aids geforscht?“
„Gibt es schon viele Heilmittel gegen Aids?“, fragte ihr Freund Martie süffisant. Jetzt war guter Rat teuer, aber ich gab mein bestes, um der peinlichen Situation zu entkommen.
„Nun, ich glaube, ich muss da was klarstellen. Paul hat da wohl ein paar Dinge durcheinander gebracht. Ich habe nicht an Aids geforscht…es war ein Mittel gegen Polio..“ entgegnete ich salopp.
„Und wie waren die Ergebnisse?“, fragte Coco aufrichtig fasziniert.
„Oh, nun, das kann ich nicht so genau sagen. Die Sponsoren sprangen ab und unser Labor wurde von Kentucky Fried Chicken aufgekauft. Aber wie sieht es mit Dir aus, Martie? Als was arbeitest Du?“, fragte ich, um aus der Schusslinie zu kommen.
„Nun, ich bin Proktologe“ antwortete dieser Kriecher lakonisch.
„Sowas wie ein Arzt? Was ist denn Dein Fachgebiet?“, fragte Paul.
„Ich fokussiere mich auf die Glutealregion des menschlichen Körpers“, erklärte Martie geschwollen und mit stolzer Brust. Paul zwinkerte mehrmals und mir war klar, dass er keinen Schimmer hatte, wovon dieser Quacksalber sprach. Ich kam Paul zu Hilfe. „Er ist ein Arsch-Arzt“, warf ich ein.
„Wie? In echt jetzt!?“, rief Paul überrascht.
„Das ist zwar eine etwas unorthodoxe Definition, aber ja, das ist mein Fachgebiet“, entgegnete Martie stockend. Paul versuchte zögernd, eine Frage zu formulieren, so als müsse er sich ein Lachen unterdrücken…was auch der Fall war.
„Sag, ab welchen Zeitpunkt Deines Studiums hast Du denn gemerkt, dass es Dich…naja, zu Ärschen hinzieht?“
„Können wir bitte das Thema wechseln?“, erwiderte Tanja barsch.

„Studierst Du noch oder arbeitest Du schon?“, fragte mich Coco daraufhin und schlug die Augen auf als würde ein ganzer Theatervorhang hochgezogen werden.
„Ich arbeite nebenher als Filmkritiker“, erläuterte ich kurz und mündig.
„Oh, ich liebe Filme. Enzo und ich sind früher oft ins Kino gegangen“, frohlockte sie.
„Enzo?“
„Äh, da fällt mir was ein“, unterbrach Tanja abrupt. „Ben, ich weiß, dass ich Dich vielleicht damit überrumpel, aber wieso gehst Du nicht mit Coco statt mit mir in diese Ausstellung über die Nouvelle Vague. Das ist doch was über Filme. Ich habe demnächst viel zu tun…“
Coco errötete erneut und wand sich beschämt ab. „Ach, Tanja..“
Boah, was hätte ich darauf antworten sollen?
„Ich weiß, es ist viel verlangt“, sagte Tanja. „Ich hatte Dir versprochen, dass wir zusammen dahin gehen, aber Du würdest mir einen großen Gefallen damit tun. Coco ist erst seit ein paar Tagen wieder hier und es würde ihr gut tun, mal etwas in die Stadt zu gehen. Allerdings kann ich natürlich nichts weiter tun als Dich nur darum zu bitten.“
„Bitte macht euch wegen mir keine Umstände“, warf Coco zurückhaltend ein.
„Ben, würdest Du das für mich tun?“, fragte Tanja und ihr Blick durchdrang mich wie ein Körperscanner außerirdischer Invasoren.
„Es…es wäre mir eine Freude Coco mit zur Ausstellung zu nehmen“, log ich und arrangierte mich zu einem Lächeln, das nur von meinen spitzen Mundwinkeln gehalten wurde und jederzeit drohte zusammenzufallen. „Solange Dein Freund, dieser Enzo, nichts dagegen hat.“
„Stimmt“, sagte Paul. „Wo bleibt denn er eigentlich?“
„Da kommt er doch schon. Hey, Enzo!“ rief Coco erfreut. Niemand war zu erblicken, auch glaubte ich keine Schritte aus der Küche oder anderswo her zu hören.
„Wo denn? Ich kann nichts sehen“, sagte Paul. Tanja stöhnte frustriert.
„Lass sie doch, Schatz“, flüsterte Martie ihr zu und tätschelte ihre Hand. Ich hätte kotzen können, wenn die Situation nicht gerade so surrealistisch gewesen wäre.
„Woher weißt Du, dass er schon kommt? Ich hör niemanden. Hat er Dir eine SMS geschrieben?“ fragte ich. Noch war ich ziemlich gefasst, bis Coco weiter sprach.
„Aber nein, er ist hier. Er hat doch schon Platz genommen“, antwortete sie strahlend.
„Äh, was?“, fragte ich nun wiederum völlig verdutzt.
„Sag Hallo zu unseren Gästen, Enzo“, sprach Coco entzückt zu dem Platz neben ihr, auf dem niemand saß. Niemand!

„Oh, Enzo sagt, dass er euch mag.“
„Schön. Ich mag mich auch sehr“, entgegnete ich, weil ich nicht wusste, was ich sonst darauf hätte erwidern sollen.
„Enzo ist gerade hier?“, fragte Paul nervös. „Er sitzt gerade hier mit uns am Tisch? In diesem Augenblick? Er sitzt direkt neben mir?“
„Aber ja doch“, antwortete Coco völlig unbekümmert. „Und er schnuppert gerade an Dir. Ist das Kölnisch Wasser, was Du aufgetragen hast?“ Paul erstarrte und sein Gesicht war käsiger als das von Spongebob.
„Ob ich…? Ich…ich glaube, ich muss mal aufs Klo“, sagte er mit zitternder Stimme, stand auf, rannte wie eine Gazelle davon und schloss sich auf der Latrine ein.
„Enzo, möchtest Du mal von dem Wein kosten?“, fragte Coco ins Leere hinein.
„Ähm, Ben? Könntest Du mit mir in die Küche kommen, um mit mir die Desserts zuzubereiten?“, fragte Tanja ausweichend und riss mich hinfort. Im Nebenzimmer erzählte sie mir darauf leise und mit verbitterter Miene, dass ihre kleine Schwester geisteskrank sei…als ob ich nach diesem Abend da nicht schon von selbst drauf gekommen wäre.

„Es tut mir so leid, ich muss mich für ihr Verhalten entschuldigen“, erklärte Tanja verbittert.
„Ach, das ist doch nicht schlimm, aber ein wenig Angst hat es mir schon gemacht.“
„Enzo ist ihr imaginärer Freund, den sie seit ihrer Kindheit glaubt zu sehen“, sagte Tanja. „Wir haben schon alles versucht. Unter anderem deswegen habe ich sie für ein Jahr nach Brasilien geschickt, weil ich hoffte, das könnte ihren Kopf freier machen.“
„Du hast sie dorthin geschickt?“
„Es war eine Therapie. Sie hat niemanden außer mir. Ach, ich weiß nicht, was ich noch machen soll“, sagte sie und brach auf einmal in Tränen aus. „Deswegen habe ich sie zu mir geholt. Und deswegen wollte ich, dass Du sie mit in die Ausstellung nimmst und einen schönen Abend mit ihr verbringst. Ich habe immer noch Hoffnung, dass sie irgendwann…irgendwann mal ein normales Leben führen kann. Ich weiß, es ist viel verlangt, mit meiner irren Schwester einen Abend alleine zu verbringen…deswegen kann ich es Dir nicht verübeln, wenn Du…“ Doch diesmal unterbrach ich sie.
„Nein, nein. Es geht zu einer Ausstellung über die französische Filmkultur in den 60er Jahren. Hippies, Baguettes und Jean-Luc Godard. Deine ausgeflippte Schwester ist da in bester Gesellschaft“, beschwichtigte ich.
„Du bist wirklich ein Schatz. Das würdest Du für mich tun?“
„Wäre mir eine Freude..“ entgegnete ich zähneknirschend.

Tja, was hätte ich jetzt anderes antworten können als Ja!? Was für ein Alptraum. Zuerst hatte ich mir Hoffnungen ausgemalt, Tanja dorthin mitnehmen zu können, doch dann erfahre ich zuerst, dass sie bereits an einem Arsch-Arzt vergeben ist. Ich meine, der Typ war sprichwörtlich nur eine Fingerbreite davon entfernt, Gynäkologe zu werden; seine Eltern müssen sicher sehr stolz auf ihn sein. Und dann wird mir noch eine Verabredung mit einer geistig Inkontinenten aufgedrängt. Aber das Allerschärfste war ja noch, dass ich eine zusätzliche dritte Eintrittskarte für die Ausstellung ordern müsste…schließlich komme Enzo ja mit. Mir drehen sich die Augäpfel um! Wenigstens Paul konnten wir an dem Abend wieder verängstigt aus dem Klo locken, indem Martie ihm versprach, ihn mal mit in seine Praxis zu nehmen. Wie dem auch sei. So lernte ich Coco das erste Mal kennen, zusammen mit ihrem unsichtbaren Freund Enzo. Zu dieser Zeit war ich von dem Mädel nur genervt. Es erscheint mir nun wie ein Märchen, dass sich diese Abneigung eines Tages in Liebe verwandeln sollte, die wohl abgedrehteste Dreiecksbeziehung der Welt. Auch wenn wir viele dunkle Zeiten durchleben mussten und ich leider nicht mehr glaube, dass es mit einem Happy End zu Ende gehen wird. Und der Anfang dieser unheilvollen Beziehung war, als wir uns zum ersten Mal in dieser Ausstellung im NRW-Forum trafen. Ich, Coco und eben Enzo. Ein Abend, den ich nie vergessen sollte.<<