Neue Rektorin der HHU: „Diese Hochschule ist wichtig für NRW“

Von Alina Konietzka

Seit November hat die Heinrich-Heine-Universität eine neue Rektorin. Prof. Dr. Anja Steinbeck war zuletzt in Köln als Professorin, Prorektorin und Richterin im Nebenamt tätig. Nun ist die 48-Jährige die erste Frau im Amt der Rektorin der HHU. Campus Delicti sprach mit ihr über ihren Werdegang, ihre Ziele mit der HHU …und natürlich über Karneval.

Foto: David Young

Foto: David Young

CD: Frau Steinbeck, Sie waren 14 Jahr in Köln tätig – wie wurden Sie denn ausgerechnet in Düsseldorf aufgenommen?
Steinbeck: Da ich schon immer in Ratingen wohne, bin ich ohnehin keine Kölnerin, ich habe es jetzt sogar näher zur Arbeit. Aber im Allgemeinen muss ich sagen, dass ich sehr, sehr nett aufgenommen worden bin. Dekanate, Professoren und Verwaltung haben mich freundlich, offen und sympathisch willkommen geheißen.

CD: Was verbinden Sie mit der Stadt Düsseldorf?
Steinbeck: Es ist die Landeshauptstadt des größten Bundeslandes und spielt, denke ich, eine wichtige politische Rolle. Wie jede Stadt mit einem Fluss ist auch Düsseldorf sehr schön – besonders die Rheinterrassen und der Hafen, aber auch die Altstadt finde ich toll. Da kann man ja auch gut feiern. In den letzten zehn Jahren hat Düsseldorf meiner Ansicht nach viel dazu gewonnen und bietet eine hohe Lebensqualität. Einziger Nachteil ist die Entfernung zu den Bergen.

CD: Sie mögen die Berge?
Steinbeck: Oh ja! Ich fahre unglaublich gern Ski. Generell liege ich im Urlaub nicht gerne tatenlos am Strand, ich bevorzuge auch im Sommer die Berge. (Tatsächlich hängt an der Wand ihres Büros ein Bild vom Matterhorn)

CD: Wie kommt man über ein Jura-Studium bis dahin, Uni-Rektorin zu werden? War das geplant?
Steinbeck: Nein, nichts war geplant! Weder Professorin zu werden, noch dann Rektorin zu werden – beides hat sich ergeben, weil ich gefragt worden bin. Zunächst hat mich mein Doktorvater gefragt, ob ich mit vorstellen könne, Professorin zu werden . Da ich mir das sehr gut vorstellen konnte – es ist ein toller Beruf – , habe ich mich habilitiert. Nach der Habilitation war ich zehn Jahre als Professorin in Köln tätig, bis mich dort der Rektor fragte, ob ich Interesse hätte, Prorektorin zu werden. Dieses Amt hat mir dann vier Jahre lang viel Freude bereitet. Im Hochschulmanagement kann man einfach sehr viel bewegen und trifft jeden Tag wichtige Entscheidungen. Als sich dann die Gelegenheit ergab, an der Heinrich-Heine Universität in Düsseldorf Rektorin zu werden, musste ich nicht lange überlegen. Aber geplant war wirklich gar nichts.

CD: Wie läuft denn so eine Wahl ins Rektorat ab?
Steinbeck: Eine Rektoratsstelle muss zum Ablauf einer Amtszeit immer ausgeschrieben werden. Der Senat und der Hochschulrat bilden dann eine Findungskommission, die geeignete Kandidaten sichtet. Ich wurde gefunden und habe mich daraufhin Senat und Hochschulrat vorgestellt. Diese Gremien hatten Vertrauen in mich haben und so wurde ich vom Hochschulrat gewählt und der Senat hat die Entscheidung bestätigt. Sie hätten auch „Nein“ sagen können, aber das haben sie zum Glück nicht getan. (schmunzelt)

CD: Viele Studierende haben nur schwammige Vorstellungen davon, was eine Universitäts-Rektorin überhaupt macht. Wie würden Sie ihr Aufgabenfeld beschreiben?
Steinbeck: Wir arbeiten als Gremium zusammen: der Kanzler, die vier Prorektoren und ich bilden zusammen das Rektorat und treffen die Entscheidungen kollegial. Zu meinem Aufgabenbereich gehört zum Beispiel die Berufung von Professoren. Wenn die jeweilige Fakultät jemanden vorgeschlagen hat, verhandele ich mit den Kollegen über deren Gehalt und ihre Ausstattung. Auch im Bereich der Lehre stoße ich Prozesse an. Nach Außen übernehme ich repräsentative Aufgaben, besuche Veranstaltungen der Stadt oder treffe Stifter und versuche, mehr Geld für die Uni generieren. Desweiten führe ich Gespräche mit dem Ministerium. Und ich halte relativ viele Grußworte! Selbst, wenn ich mich da gar nicht auskenne, halte ich zum Beispiel ein Grußwort beim Jahrestag der Mathematiker. (lacht) Was ich leider gar nicht mehr mache, ist selbst Lehrveranstaltungen geben, was sehr schade ist.

CD: Wie sieht denn ein typischer Tag einer Rektorin aus?
Steinbeck: Jeder Tag ist anders. Erst einmal muss ich morgens dafür Sorge tragen, dass meine Kinder in die Schule kommen. Dann bin ich gegen 8 Uhr an der Uni und gehe erst einmal viele Posteingänge durch. Ich muss sehr viele Sachen unterschreiben, mal Berufungen oder auch Kündigungen, mal Post aus dem Ministerium. Meist habe ich dann Termine auf dem Campus, schaue mir die Arbeit der Fakultäten an und spreche mit Wissenschaftlern über Projekte. Ich führe sehr, sehr viele Gespräche! Tagsüber bin ich also an der Uni, oft folgen dann noch Abendveranstaltungen, so dass ich bis 20 oder 21 Uhr zu tun habe.

CD: So, jetzt geht es ans Eingemachte – welche Potenziale sehen Sie in der Heinrich-Heine-Universität? Was haben Sie für Ziele mit dieser Hochschule?
Steinbeck: Die Heinrich-Heine-Universität will ein einzigartiges Profil in Forschungsschwerpunkt und Lehre entwickeln, so dass allen klar ist: Diese Hochschule ist wichtig für NRW. Ein Ziel ist es, in einigen Bereichen der Forschung exzellent zu sein, die nicht an den Fakultätsgrenzen enden, sondern fächerübergreifend sein sollten. Auch die Verbindung mit der Stadt Düsseldorf ist wichtig. Da die Ressourcen einer jeden Uni sind begrenzt, muss man sich fokussieren. Wir wollen Bereiche schaffen, in denen wir spitze sind. Was die Lehrbedingungen betrifft, denke ich, dass diese in Düsseldorf relativ gut sind, allein schon, weil wir eine Campus-Uni sind. Es hat einfach viele Vorteile, wenn die Fakultäten nah beieinander liegen. Ein Ziel jedoch ist es, die wachsende Heterogenität der Studierenden zu berücksichtigen. Die klassischen Studierenden, die mit 18 das Abitur machen und direkt an die Uni kommen, werden weniger – dafür gibt es mehr Studierende mit Kindern, mit Migrationshintergründen oder mit einem Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg. Vielleicht muss man mehr Onlineangebote schaffen. Ich werde allerdings nicht müde zu sagen, dass man die klassische Vorlesung nicht abschaffen darf. Die direkte Kommunikation zwischen Dozierenden und Studierenden ist nicht ersetzbar. Online abrufbare Vorlesungen können da nur eine Ergänzung sein. Desweiteren ist mir die Vernetzung mit Wirtschaft und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wichtig. Die Universität will nicht alleine dastehen: Unsere Studierenden sollen Anlaufstellen haben und auch die Wirtschaft lebt von unseren Absolventen.

CD: Sie sind Befürworterin der Frauenquote. Nun soll diese kommen. Wie sehen Sie die Lage?
Steinbeck: Hier an der Uni werden Gremien geschlechterparitätisch besetzt, da muss ich also gerade nicht viel tun. Generell wäre es mir lieber, es würde ohne Quote gehen – aber die Erfahrung der letzten zehn Jahre hat dann doch gezeigt, wie schwer sich manche Unternehmen mit der Umsetzung von Gleichstellung tun. Mit Freiwilligkeit kommt man da nicht weit. Man kann aber beobachten, dass sich bereits vieles getan hat, auch als Reaktion auf das NRW Gleichstellungsgesetz von 1999. Naja, aber jetzt hab ich ja auch ein bisschen was zu sagen, da wird sich noch mehr tun. (lacht)

CD: Sie selbst haben zwei Kinder – war es nie stressig als Mutter mit Karriere?
Steinbeck: Doch, natürlich. Mittlerweile sind die Jungs größer, aber früher war es auch mal anstrengend. Als Professorin hatte ich das Glück, auch abends arbeiten zu können, wenn die Kinder bereits im Bett waren. Wir hatten immer einen Au-Pair im Haus, allein wäre es sonst schon schwierig geworden. Aber wenn man etwas wirklich will, geht das auch.

CD: Wenn Sie die Situation für Studierende heute und zu der Zeit, als Sie Studentin waren, vergleichen – hat sich da was verändert?
Steinbeck: Ja, ich glaube schon! Als ich damals im ersten Semester Jura war, war ich viel ahnungsloser als die Studierenden heute. Damals gab es noch kein Internet, unvorstellbar heute… Die Vorlesungen hat man aus einem dicken Buch herausgesucht. Bis zu meinem Examen habe ich nicht eine große Anwaltskanzlei gekannt. Die Studierenden heute kennen alle Namen und können Ihnen wohlmöglich auch noch das Einstiegsgehalt nennen. Sie sind einfach viel besser informiert als ich damals, doch das bringt auch einen gewissen Druck mit sich.

CD: Das neue Hochschulzukunftsgesetz hat für einige Unsicherheiten an den Fakultäten bezüglich der Anwesenheitspflichten gesorgt. Wie bewerten sie das Gesetz?
Steinbeck: Die Formulierungen des Gesetzes waren nicht ganz eindeutig. Man konnte es so verstehen, als müssten alle Anwesenheitspflichten ohne Ausnahme abgeschafft werden, man konnte es aber auch weniger streng auslegen. Der Gesetzesgeber hat beim Schreiben des HZG an Dinge wie Beteiligungsnachweise wahrscheinlich gar nicht gedacht. Deswegen erfolgte nun die Klarstellung, dass man im Sinne von Leistungsbewertung sehr wohl Anwesenheit einfordern kann. Wenn jemand ein Referat halten soll, muss er schließlich auch da sein. Über Skype wollte der Gesetzgeber die Seminare ja nun auch nicht halten lassen. Generell kann man aber sagen, dass viele Hochschulen das Hochschulzukunftsgesetz als Eingriff in ihre Autonomie empfunden haben, was ärgerlich ist, da diese Autonomie den Universitäten sehr gut getan hat. Doch auch das HZG hat gute Ansätze, wie die Forderung nach weniger befristeten Verträgen zum Beispiel.

CD: Bekommen Sie aktuell den Ärger zwischen den Asten NRWs und dem VRR wegen dem Semesterticket mit?
Steinbeck: Der derzeitige Stand der Verhandlungen zwischen den Asten des Landes NRW und den Verkehrsbetrieben über das Semesterticket wurde an das Rektorat und den Senat herangetragen. Wir werden die weiteren Verhandlungsschritte des Astas der HHU und auch die der anderen Asten in NRW verfolgen. Wir hoffen, dass es doch noch zu einer Einigung kommt!

CD: Feiern Sie Karneval?
Steinbeck: Ja! Früher bin ich immer an den Tegernsee geflohen, um dem Trubel zu entgehen, doch dann „zwangen“ mich meine früheren Mitarbeiter vom Institut in Köln , mitzukommen. Es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich nun jedes Jahr feiere! Sowohl in Köln, als auch in Düsseldorf.

CD: Und haben Sie schon ein Kostüm?
Steinbeck: Ich muss nur überlegen, ob ich mein Kostüm meinem Amt anpassen muss. Aber wenn ich verkleidet bin, erkennt mich ja eh niemand! (Lacht und zeigt ein Handyfoto von sich in einem bunten Hippie-Kostüm)

CD: Frau Steinbeck, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!