Science Slam der HHU wieder im Januar

Spätestens seit Giulia Enders „Darm mit Charme“-Erfolg ist der Science Slam aus dem Schatten seines Bruders Poetry Slam getreten. Ähnlich wie bei den mittlerweile verbreiteten Poesie-Vortragswettbewerben tragen auch Science-Slammer ihre eigenen Gedanken vor – allerdings zu Themen der Wissenschaft. Das Publikum bewertet Inhalt und Unterhaltungswert der Vorträge per Applaus. Seit zwei Jahren gibt es so ein Spektakel auch an der Heinrich-Heine-Universität. Campus Delicti sprach mit dem Organisator Tobias Löffler.

Tobias Löffler mit den Pokalen von WS 2013 und SS 2014

Tobias Löffler mit den Pokalen von WS 2013 und SS 2014

CD: Tobias, was machst du denn so, wenn du nicht gerade den Science Slam organisierst?
Löffler: Ich bin 34 Jahre alt und studiere seit einigen Semestern Physik. Mittlerweile bin ich im 5. Master-Semester. Ich bin das, was man als „Fachschaftsinventar“ bezeichnet, stelle mich schon länger nicht mehr zur Wahl, arbeite aber fröhlich mit. Zum Beispiel habe ich als einer von drei Hauptverantwortlichen im Sommersemester 2014 die Bundesfachschaftentagung der Physik (ZaPF) in Düsseldorf mit organisiert.

CD: Wann und wie wurde der Science Slam der HHU ins Leben gerufen?
Löffler: Den Science Slam an der HHU gibt es seit dem Wintersemester 2012/13. Entstanden ist das Ganze, weil ein Bekannter gerne mal bei so was mitmachen wollte und mich ob meiner bekannten Freude am Organisieren fragte, ob ich ihm nicht einen Organisieren könne. Ich hab spontan mit „Wenn wir noch mindestens einen Teilnehmer finden, mach ich‘s“ dafür entschieden und der erste Slam war mit knapp zwei Monaten Vorlauf, drei Teilnehmern und etwa 200 Zuschauern schon ein Erfolg.

CD: Was macht einen – und speziell deinen – Science Slam aus?
Löffler:
Was für mich den Slam spannend macht, ist, dass man wissenschaftliche Themen für fachfremde und auch wissenschaftsferne Menschen verständlich darstellen kann. So verlässt die Wissenschaft ihre angestammten Kreise und auch der Nichtwissenschaftler sieht, was da so alles an Wissenschaft in seinem Leben steckt. Das ist auch der Grund, warum bei dem von mir organisierten Slam nicht nur aktuelle und eigene Forschung, sondern auch die wissenschaftliche Erklärung von Alltagsphänomenen als Themen in Frage kommen. Das ist etwas, das „meinen“ Slam von den meisten groß organisierten Slams unterscheidet. Meine Slammer haben so nämlich die Möglichkeit, mit immer neuen Vorträgen wieder aufzutreten – im Gegensatz zu den „professionellen“ Slammern, die in der Regel mit ein und demselben Vortrag von Slam zu Slam ziehen.

CD: Wie läuft euer Science Slam ab?
Löffler:
Am Anfang wird ein bisschen erklärt, was gleich passiert, die Slammer werden vorgestellt und dann gibt es zum Aufwärmen meinen Aufwärmbeitrag außerhalb der Wertung. Danach kommen die vier bis fünf Slammer mit ihren Beiträgen. Dann entscheidet das Publikum per Applaus über Gewinner oder Verlierer des Slams. Als Letztes kommt noch die Preisverleihung. Diese ist besonders toll, weil bis jetzt für jeden Slam ein neuer Pokal designend und mit dem 3D-Drucker gedruckt wurde.

CD: Hast du selbst schon mal an einem Science Slam teilgenommen?
Löffler: Die Krux mit dem Organisieren eines Wettbewerbes ist, dass man selbst nicht daran teilnehmen kann. So ist das auch hier. Da ich den Science Slam organisiere und moderiere, falle ich als Teilnehmer leider aus. Das Einzige, was ich spaßeshalber seit dem letzten Slam mache, ist eine Erklärung, was denn so ein Science Slam ist. Diese ist sehr lehrreich und erklärt auch sehr gut, wo der Ostkaukasische Steinbock lebt… Um noch woanders an einem Slam teilzunehmen, fehlt mir leider die Zeit, die ich lieber in das Organisieren lustiger Veranstaltungen stecke.

CD: Gutes Stichwort – du bist nämlich auch Origami-Trainer beim Hochschulsport!
Löffler:
Das mit dem Origami begann als Scherz zwischen den Hochschulsport-Leuten und mir. Auf mein „Schach ist doch kein Sport, da kann ich auch Origami anbieten“ kam immer ein fröhliches „Mach doch“ – und irgendwann hab ich es halt gemacht! Seitdem habe ich einen Trainerausweis, was an sich schon wieder lustig ist, und ich bekomme das Papier für den Kurs bezahlt. Angenommen wird es auch, ich kann mich über die regelmäßige Teilnahme von durchschnittlich um die fünf Origami-Begeisterten freuen.

CD: Giulia Enders „Darm mit Charme“ wurde ja auf einem Science Slam entdeckt. Siehst du einen Science Slam als Chance auf ein Karrieresprungbrett, oder war das eher ein einmaliger Erfolg?
Löffler: Aus Gesprächen mit Slammern weiß ich, dass die meisten Slammer das Ganze eher als schönes Hobby sehen. Schlussendlich sind sie halt Wissenschaftler, die ihre Wissenschaft betreiben möchten.

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