HHU-Alumni: Psychologie

Psychologie: über Ordnung im Chaos

Von Malika Fachrou

Die menschliche Psyche gleicht einem unordentlichen Teenie-Zimmer. Jeder, der das Zimmer betritt, glaubt in dem Tohuwabohu von zerstreuter Kleidung und Magazinen unterzugehen – außer dem Besitzer des Zimmers. Völlig verdutzt wundert sich der Außenstehende, wie der Bewohner trotz des Chaos Überblick über seinen Besitz hat. Wieso unser Gefühlsleben so ein Durcheinander ist und nach welchem Schema wir sorgfältig unsere Emotionen sortieren, wollte Nisrine Nab-Bach (26) seit klein auf verstehen und hat sich deshalb für eine Berufslaufbahn als Psychologin entschieden.

Nach ihrem Bachelor of Science an der Uni Köln, hat sie ihren Master an der Heinrich-Heine Universität absolviert und war mehr als zufrieden über die Lehre an unserer Universität. „Die Atmosphäre an der Uni ist einfach super.“ Zum angenehmen Lernklima hat zum einen die gute Betreuung seitens der Dozierenden und zum anderen der solidarische Zusammenhalt innerhalb der Unimitarbeiter beigetragen. „Das war für mich der Beweggrund, weshalb ich eine Laufbahn in der Forschung eingeschlagen habe und hier weiterhin an der Uni tätig geblieben bin.“ Derzeit ist Nisrine als wissenschaftliche Mitarbeiterin (Halbdozenten-Stelle) im Bereich der Verhaltensforschung tätig. In ihrer Zeit als Studentin, hatte sie eine Stelle als SHK, in welcher Nisrine ihre Leidenschaft zur Forschung entdeckt hat – und diese nun mit Herzen ausübt. Wer eine Laufbahn in der Forschung anstrebt, sollte nicht primär auf Profit aus sein, denn die Gehälter sind recht bescheiden. Sollte sich aber jemand aus ideellen Gründen in das Berufsfeld der Forschung begeben, ist er hier an der richtigen Stelle.

„Analysier mich mal…“
…ist wohl der am häufigsten gehörte Satz eines Psychologie-Studenten. Ob man im Psychologie-Studium wirklich lernt, Menschen zu durchschauen, ist jedoch eine sehr romantisierte Darstellung des Berufs. „Menschen sind keine Bücher, die man einfach durchblättern kann, das vergessen viele.“ Nisrine erläutert, dass man im Zuge des Studiums die Grundmechanismen menschlichen Verhaltens lernt, beispielsweise: welche Symptome lassen auf gewisse seelische Krankheiten hindeuten? Was versuchen Menschen, durch Mimiken und Gesten zu vertuschen? Wie wird ihre Körpersprache sie dennoch entlarven?
Auf die Frage, was ein guter Psychologe in seinem eigenen charakterlichen Haushalt mitbringen muss, erklärt die angehende Psychotherapeutin: „Ohne Empathie geht nichts – und das kann man nicht erlernen. Entweder man hat die Fähigkeit und das Interesse, sich in das Gefühlsleben anderer hinein zu versetzen oder nicht.“ Dieser Aspekt des Berufsfelds spielte die ausschlaggebende Rolle für ihre Berufswahl. „Ich kann mich an eine Szene aus meiner Kindheit erinnern, als ich meine Mutter mal gefragt habe, was sie denke und sie entgegnete, dass ihre Gedanken nur ihr gehören. Ich war so traurig, dass ich fast weinen wollte und ich glaube, das war der Moment an dem ich wusste, ich will Psychologin werden.“ Auch wenn sie nicht die Gedanken anderer lesen kann, würde sie jedes Mal aufs neue Psychologie studieren. „Es genügt mir, denjenigen helfen zu können, die mir ihre Gedanken zur Verfügung stellen.“ Unter dem Deckmantel „alles wissen zu wollen“ versteckte sich eine weitere Motivation der Berufslaufbahn. „Ich wollte immer alles wissen, alles kennen lernen und auch alles übers Leben wissen.“ Die ständigen Begegnungen mit verschiedensten Arten von Menschen bieten hier eine tägliche Erweiterung des Horizonts, dessen Ende unabsehbar ist.
Zu ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft erklärt sie, dass die Vorbereitung auf ein Seminar sich nicht auf die Erstellung einer PowerPoint-Präsentation reduziert. Hintergrundwissen und themenübergreifendes Diskussionsmaterial ist keine Arbeit, die in 20 Minuten erledigt ist. Trotz der hohen Anforderungen als wissenschaftliche Hilfskraft und dem langen Weg bis zur Psychotherapeutin sind die Erfahrungen, die man während dieses Zeitraums sammelt, nicht in Geld aufzuwiegen.

Als persönliches Fazit, möchte Nisrine allen angehenden Psychologen noch mit auf den Weg geben: „Wie schwierig die Klausuren oder immens der Lerndruck auch sein mögen, müsst ihr euch vor Augen halten: Wenn ihr am Ende eures Studiums angelangt seid, einem Menschen therapeutische Hilfe geben konntet und dieser Mensch vor euch steht und sich bedankt, dass ihr es gewesen seid, ihm aus seiner dunkelsten Zeit heraus geholfen zu haben, in der er alle Hoffnung aufgegeben hatte – gibt es etwas Schöneres?“
Wir danken Nisrine Nab-Bach ganz herzlich für den kurzen Einblick in das Berufsfeld des Psychologen und einer wissenschaftlichen Laufbahn und wünschen ihr alles Gute für ihren beruflichen Werdegang.