Was ist denn jetzt mit dem Semesterticket?!

Von Alina Konietzka

Seit Wochen tut sich nichts im Streit zwischen VRR und ASten. Während der VRR auf den geplanten Preiserhöhungen für das Semesterticket beharrt, bleiben die ASten auf den Barrikaden. Eine Einigung ist nicht in Sicht. Derweil wächst die Angst der Studierendenschaft: Riskieren die ASten womöglich das Semesterticket? Wir sprachen mit Vertretern der ASten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Universität Duisburg-Essen und der Hochschule Niederrhein.

Mittlerweile haben es wohl alle mitbekommen: Die ASten bieten dem VRR die Stirn, da dieser das Semesterticket innerhalb der nächsten 4 Jahre um 50% teurer machen will. Während die Entwicklung stagniert, werden immer mehr kritische Stimmen in Richtung der ASten laut. Es wird argumentiert, dass man im Semesterticket die günstigste Fahrkarte besitzt, die man für NRW haben kann und dass ein Wegfall des Tickets gerade für die vielen Pendler fatal wäre. In einem WDR-Bericht vom 20. November 2014 bezeichnet auch NRW-Verkehrsminister Michael Groschek ein um bis zu 50 % verteuertes Ticket als noch „äußerst günstig“. Machen die ASten also vielleicht viel Wirbel um Nichts? Muss man sich so gegen die Preiserhöhungen stemmen, wenn es doch keine bessere Alternative gibt? „Ich denke, bei vielen ist leider noch nicht angekommen, was die Erhöhungen konkret bedeuten. Denn der uns vorgelegte Vertrag beinhaltet Erhöhungen bis zum Sommersemester 2020, danach ist beispielsweise auch nicht klar, ob das Ticket wieder erhöht wird“, sagt Anna Tenti aus dem AStA-Vorstand der Heinrich-Heine-Universität. „Und ja, unser Ticket ist eines der günstigsten der Verkehrsbetriebe, aber wir haben dieses Angebot aufgrund des Solidarmodells (das heißt, alle Studierenden bezahlen das Ticket, egal ob sie es brauchen oder nicht). Die Belastung für den Einzelnen darf nicht zu hoch werden, denn dann ist das Solidarmodell in Gefahr.“

Was sagt der VRR? Auf der VRR-Homepage wird die Preiserhöhung so begründet: „Anlass dieser Preiserhöhung ist der schwierige Spagat zwischen dem aktuell günstigen Preis und den auf Seiten von Verbund und Verkehrsunternehmen stetig steigenden Kosten.“ Die ASten haben dafür wenig Verständnis. Marcus Lamprecht, Mobilitätsreferent des AStAs der Universität Duisburg-Essen, sagt: „Diese Begründung ist sehr einseitig und basiert auf Versäumnissen bei der Bildung von Rücklagen für Instandhaltung und auf dem Unwillen, sich notwendigen Reformen zu stellen.“ Marco Patriarca, Vorsitzender des AStAs der Hochschule Niederrhein, findet: „Der VRR changiert seine Begründungen nach Großwetterlage. Einmal liegt der Grund in der Forderung nach Erhöhung der Einnahmen vonseiten der Politik, dann wird plötzlich eine vermeintliche „Gerechtigkeitslücke“ entdeckt, dann wiederum wird der VRR vermeintlich über Nacht von exorbitanten Preissteigerungen heimgesucht, die sogar eine rund 50-prozentige Preissteigerung begründen sollen.“ Die Fronten sind also verhärtet und es schreit förmlich nach neuen Gesprächen, doch zu diesen kommt es nicht. „Die Kommunikation reduziert sich auf die monologartige Lobpreisung des vorliegenden Vertragsangebots vonseiten des VRR“, fasst Marco Patriarca die aktuelle Lage zusammen. Der VRR betrachtet die Verhandlungen als abgeschlossen. „Aktuell gibt es keine Gespräche, weil der VRR keine Verhandlungen mehr führen möchte. Wir bedauern das sehr, denn schon in unserem offenen Brief an den VRR hatten wir die Aufnahme echter, ergebnisoffener Gespräche gefordert“, sagt Marcus Lamprecht.

sonichtvrrWas tun die ASten? Die ASten suchen weiterhin den Dialog und versuchen, die Studierendenschaft umfangreich zu informieren. Anna Tenti von der HHU kümmert sich dieser Tage trotz vielfältigen Verpflichtungen gegenüber diversen AStA-Referaten hauptsächlich um das Thema Semesterticket. Gerade im Dezember waren sie und ihre Kollegen dafür viel unterwegs, besuchten das Rathaus in Düsseldorf, trafen die ASten aus dem gesamten VRR-Bereich und gingen in Essen zu einer Verwaltungsratssitzung des VRR. Allerdings scheinen die Bemühungen bislang ins Leere zu laufen: „Die Stadtpolitik hat sich bisher kaum geäußert und verweist uns wieder an unseren Vertragspartner, die Rheinbahn. Vertreter_innen der Rheinbahn wiederum verweisen uns auf die Politik, da die Preissteigerungen „politischer Wille“ seien. Momentan sind wir dabei, erneut Termine mit Stadtpolitiker_innen zu vereinbaren.“ Klingt nicht so, als würden die ASten gerade gut voran kommen. Hoffnungen auf ein Gelingen des Protests können sie sich dennoch machen – bereits 2013 konnten die ASten im VRR-Gebiet eine geplante Preiserhöhung (damals ging es um 43%) abwenden. „Es mag dieses Mal schwieriger sein, aber wir haben bereits einmal eine Preiserhöhung abgewendet und wollen das auch dieses Mal erreichen. Auch für den VRR steht viel Geld auf dem Spiel“, meint Marcus Lamprecht. Marco Patriarca erklärt konkret: „Die Einnahmen des Semestertickets machen rund vier Prozent des Gesamtumsatzes des VRR aus – was erst einmal wenig klingen mag. Man denke aber nur daran, was passiert, wenn beispielsweise Aktienkurse großer Unternehmen um ein oder zwei Prozent fallen. Außerdem verschweigt der VRR ganz bewusst die Folgen einer Verkehrsverlagerung. Fällt das Ticket weg, wird das die Verkehrssituation dramatisch verschlechtern, gleichzeitig wird eine Verschlimmerung der schon jetzt häufig sehr unzureichenden Parksituation eintreten. Da der VRR immer noch von der Politik gelenkt wird, würde dieses Szenario sicher nicht gern in Kauf genommen werden.“

Die Zeichen stehen auf Urabstimmung

Sollte keine entscheidende Änderung in den nächsten 2 Monaten eintreffen, wird die Frage nach dem Semesterticket wohl an die gesamte Studierendenschaft gerichtet. „Sollte der VRR keinerlei Verhandlungsbereitschaft zeigen, wird unsere Studierendenschaft selbst entscheiden können, ob sie das Vorgehen des VRR gutheißen möchte. Die EFH Bochum hat sich bereits dagegen entschieden. Die Hochschule Niederrhein könnte folgen.“, sagt Patriarca. Auch an der HHU stehen die Zeichen auf Abstimmung: „Wir sehen unsere Aufgabe als AStA jetzt darin, die Studierenden zu informieren und versuchen, Gespräche zu führen – doch über den neuen Vertrag sollte es, meiner Meinung nach, auf jeden Fall eine Abstimmung, zumindest auf einer Vollversammlung geben. Die letztendliche Entscheidung trifft dann wahrscheinlich das Studierendenparlament“, so Anna Tenti. Also sind die ASten bereit zu riskieren, dass die Studierenden bald kein Semesterticket mehr haben könnten? „Gegenfrage: Sollen wir wirklich riskieren, dass für einige Menschen ein Studienplatz aus finanziellen Gründen nicht annehmbar ist? Momentan gefährdet kein AStA das Ticket, da die Entscheidungen noch nicht gefällt werden müssen. Das Ticket wird massiv vom VRR gefährdet, da dieser den Vertrag einseitig gekündigt hat. Die Politik gefährdet das Ticket ebenfalls, da keine Verhandlungen gefördert oder gar gewollt werden“, stellt Tenti noch einmal klar. „Wir sehen den VRR und auch besonders die Rheinbahn in der Pflicht, von dem jetzt vorgelegten Vertrag Abstand zu nehmen und neben der Preiserhöhung beispielsweise auch die Kündigungsfrist und andere Unstimmigkeiten zu ändern.“ Und wie sieht sie die Chancen? „Solange die ASten zusammenarbeiten und weiter auf die Politik zugehen, gibt es sicherlich noch Chancen – denn niemand hat ein Interesse daran, das Ticket wirklich abzuschaffen.“

 

Kommende Veranstaltungen:

Info-Veranstaltung an der HHU: 28.01.2015, 16:30 – 18:00 Uhr, 23.21.HS.3F

Diskussionsveranstaltung mit Herrn Castrillo vom VRR: 05.02.2015., 18:00 Uhr, neuer Audimax Essen