Sind wir nicht alle ein bisschen Charlie?

von Gordon Worthmann

Zwei Wochen lang waren alle Charlie Hebdo, aber langsam werden alle wieder sie selbst. Gut so, denn sonst hätte man seine Freunde und Bekannten ja kaum noch auseinander halten können. „Je ne suis pa Charlie!“ Aber heißt man damit auch gleich den Terroranschlag in Paris gut?

Wer kann eigentlich ernsthaft über Charlie Sheen lachen? Der Pseudo-Macho ohne Schulabschluss, der seine Karriere nur durch den Vitamin-B-Zusatz von seinem Vater erlangt hat, konnte zu keinem Zeitpunkt dem Genius-Komödianten eines Charlie Chaplin Paroli bieten – und der hat in seinen Stummfilmen nicht mal ein Wort abgegeben. Selbst die kindischen Gags bei Charlie Brown waren tiefgründiger und haben nicht so penetrant auf plumpen Mann-Frau-Klischees herumgeritten wie bei 2,5 Men. Kennt wer eigentlich noch Charlie Brown? Oder sagt jemanden noch der Name des Romanhelden Charlie Chan etwas? Wie posieren die Touristen eigentlich zurzeit am Checkpoint Charlie in Berlin? Und was haben diese Zeilen eigentlich mit dem Artikel zu tun? Zugegeben: Nicht viel, abgesehen davon, dass im Moment alle Charlies dieser Welt etwas frustriert sein müssen, da ihr Name stärker instrumentalisiert wird als die sprichwörtliche zweite Geige. Und seien wir ehrlich, ein Artikel mit einem provokant-ironischen Titel wird häufiger gelesen. Die Redakteure der Campus Delicti sind eben auch noch Studenten, jung, brauchen das Geld und viele Likes. Doch nun zum Thema.

Internethype oder Solidaritätsbekundung?

Überall hat man in den vergangenen zwei Wochen „Je suis Charlie“ gelesen, womit die Menschen ihre Solidarität mit getöteten Redakteuren der Satirezeitschrift Charlie Hebdo demonstrierten wollten, die bei einem Terroranschlag von fundamentalen Islamisten ums Leben kamen. Es ist wohl nicht notwendig genauer darauf einzugehen, weil die Medien (oder Lügenpresse, wie sie bei einigen Radikalen auf der anderen Seite des politische Spektrums genannt werden) das Thema genug aufgearbeitet und z.T. sogar ausgeschlachtet haben. Die oft sehr fantasievollen Schuldzuweisen und Schlussfolgerung der Berichterstatter sind natürlich nicht neu und finden sich bei jeder großen Tragödie wieder. Seit Jahren nun kommentiert aber auch die Internetgemeinde das Zeitgeschehen. Das ist oft weitaus interessanter und zuweilen sogar realitätsnäher als so mancher Fernsehbericht, aber dafür oft auch sehr aufdringlich und nervig. So ist aus dem eigentlich humanitären Hintergrund mittlerweile eine reine Mitmachaktion für Hohlwelttheoretiker, Facebook-Fetischisten und jedem anderen Suppenkasper geworden, die sich nur dann groß und toll fühlen, wenn sie in einem kollektiven Strom mitschwimmen können – also genau wie zuvor bei der Icebucket-Challenge, wo hinterher auch niemand mehr so recht wusste, warum man das macht. Selbst die Überlebenden von Charlie Hebdo distanzieren sich von dem Slogan und werfen sogar vielen ihrer vermeintlichen, neuen Freunde blanken Opportunismus vor. Egal nach welchen Werten und Motiven es geht, ein jeder sollte sich immer individuell sein eigenes Urteil bilden. Daher schließen die Redakteure der Campus Delicti sich nicht dem Modetrend an, auch wenn heuchlerisch propagiert wird, dass jeder der gegen „Je suis Charlie“ ist, auch gleichzeitig den Anschlag der Terroristen unterstützt. Das ist natürlich eine simple Losung für simple Menschen, denn es bedeutet nichts anderes als was schon der us-amerikanische Demagoge George W. Bush einst verkündete: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!“ Apropo Neofaschismus: Frankreich vergleicht den Anschlag in Paris vom 11.Januar 2015 mit dem Anschlag vom 11.September 2001 in New York, jenes unheilige Datum, an dem die westliche Welt nach dem Kommunismus im Kalten Krieg endlich wieder glaubte einen gemeinsamen Feind gefunden zu haben: Den Islam. Doch ist die Welt nach den Rachefeldzügen in Irak und Afghanistan sicherer geworden?

Das eigentliche Thema-Thema

Zur Beantwortung dieser Frage muss man wohl ein zynisches Lächeln aufsetzen, um die Wahrheit verkraften zu können. Galgenhumor ist sicherlich immer ein guter Aufhänger, aber bei einem so ernsten Thema sollte man niemanden hängen lassen. Denn der 11.September hat alle Menschen in ihrer Wahrnehmung verändert. Auf der einen Seite haben seine Folgen tatsächlich den Orient polarisiert und sogar in Teilen radikalisiert. Das gleiche trifft aber auch aufs christliche Abendland zu. Die aktuelle braune Flut in Ostdeutschland – geopolitisch oft auch als Elbhochwasser bezeichnet – die von sich aus behauptet, sie vertrete das Volk und wolle das Abendland vor dem Islamismus schützen, erfährt Anhängerschaft aus Teilen der Bevölkerung, die man zuvor als seine harmlose Nachbarn oder den freundlichen Bäcker von nebenan kannte. Sie behaupten von sich, sie seien keine Nazis und ausnahmsweise damit haben sie auch Recht. Sie sind sogar gegen Nazis, aber sie sind auch gegen Muslime. Und das ergibt eine toxische Mixtur, weil es für viele Menschen einen weniger radikalen, dafür einen bürgerlichen Anstrich hat. Da hört man von vielen Bekannten so abgedroschene Phrasen wie „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber bevor solche Leute zu uns ins Land kommen, soll man sich erstmal um die Menschen im eigenen Land kümmern“ oder „Aber man kann doch nicht abstreiten, dass die Moslems in diesem Land mittlerweile immer penetranter auftreten.“ Das ist noch der Cola-Light-Sirup-Zusatz unter den Hassparolen. Wenn man liest, mit welchen rassistischen Bannern PEGIDA in Dresden auf die Straße geht um das Abendland zu verteidigen, dann fragen sich doch gesunde Menschen, ob das Abendland nicht schon längst untergegangen sei – von innen heraus zerfressen. Umgekehrt führte der latente Generalverdacht von Muslime zu einer Polarisierung unter den islamischen Gläubigen, das bekannteste Beispiel ist der Streitpunkt über die Karikaturen von Mohammed. Man muss den Namen des Propheten nur googlen oder bei Wikipedia eingeben, um etliche Abbildungen des Koran-Virtuosen zu erhalten. Zugegeben: Dass islamische Terroristen nicht Wikipedia bedrohen, liegt wohl eher daran, dass sie den Wiki-Eintrag über ihre Organisation genauso pflegen wollen wie ihre gefälschten Accounts auf Facebook und Twitter. Stattdessen richtet sich der Zorn auf Formate, die äußerst werbewirksam sind. Ein pikantes Beispiel ist die satirische US-Zeichentrickserie „South Park“, welche Folge „Cartoon Wars“ in der 10.Staffel von 2006 zensieren musste, weil dort Mohammed gezeigt wurde. Die Studiobosse haben den Drohungen von Islamisten nachgegeben. Das Makabere an der Geschichte aber ist, dass es bereits in der 4.Staffel eine Episode namens „Die Liga der superbesten Freunde“ gab, in welcher der Prophet Mohammed als eine Art Marvel-Comicfigur gezeigt wurde und immer noch gezeigt wird – ohne dass es bis heute jemanden stört. Hintergrund: Die Ausstrahlung der 3.Staffel fand noch vor dem 11.September 2001 statt. Ist nun dieses Datum der Kristallisationspunkt für all den Hass und die Hetze? Nicht ganz.

Wenn Religionen tolerant wären, würde es PEZ-Spender von ihnen geben

Muslime, wie auch Christen, Juden, Jedi-Ritter, Lemmings und viele andere Anhänger einer Religion oder allem, was noch irgendwie als göttliche Lehre durchgeht, haben sich alle schon lange vor dem Anschlag aufs World Trade Center oft genug über die Diffamierung ihres Götzen oder anderer Reliquien moniert. Erinnert sich noch jemand daran, in wie vielen Ländern der Film „Das Leben des Brian“ verboten wurde, weil die Christen sich darüber beschwerten, dass man mit harmlosen Sketchen dem Andenken Jesu schaden wolle? Oder als der Film „Schindler’s Liste“ das erste Mal im deutschen Fernsehen lief und der Zentralrat der Juden durchsetzen wollte, dass der überlange Streifen ohne Werbeunterbrechung (im Privatfernsehen!) gezeigt werden musste, weil ansonsten das Leid der Millionen Opfer des Holocaust verharmlost worden wäre. Am Ende durfte ein kurzer Werbeblog geschaltet werden, wo aber fast nur Nachrichten eingeblendet worden und Artikel wie Shampoo explizit verboten waren. Eine weitere Auflage an Pro7 war, dass der Sender sich dazu verpflichten musste, am selben Tag mehrere Dokumentationen zum Thema zu zeigen. Fakt ist: „Schindler’s Liste“ läuft heute – 20 Jahre nach seiner Erstausstrahlung – mit mehreren Werbeunterbrechungen – auf RTL 2! Liebe Leser, das sagt doch alles, oder? Vielleicht hätte jemand Michel Friedman in seiner Jugend mal aufklären sollen, worin der Unterschied zwischen einem teurem Hollywood-Blockbuster und der Realität besteht; wahrscheinlich hat er beim Schauen von James Camerons „Titanic“ im Kinosaal auch erstmal schnell die Küstenwache angerufen. Aber wer darf in Deutschland schon etwas gegen den Welpenschutz der Juden sagen oder sich mit dem Platzhirsch der Christenheit anlegen? Immerhin will man ja nicht als Nazi dastehen oder von einem Kindergartenplatz für seinen Sprössling in der katholischen Krabbelgruppe ausgeschlossen werden. Aber wie hätten die Bundesheuchler reagiert, wenn dieselben Sachverhalte von Muslimen durchgeboxt worden wären? PEGIDA, AfD und der Mickey-Maus-Club hätten hier sicher eine schnelle Antwort parat.

Und die Muslime? Ein ebenso banales Beispiel: Sie setzten durch, dass das kindliche Introlied in dem Disneyklassiker „Aladdin“ von 1992 umgetextet werden musste, weil die ursprünglichen Strophen den Islam beleidigten. Nichts davon mitbekommen? Das ist nicht verwunderlich, denn die Medien haben diese Themen damals einfach nicht groß aufgegriffen – anders als heute, denn der Islam stelle ja mittlerweile eine Bedrohung dar. So haben sich erst vor einem Tag wieder die Bürger das Maul zerrissen, als geschrieben wurde, dass Muslime sich über eine Seife bei Aldi aufgeregt hatten, auf dem mit dem Slogan a la „1001 und eine Nacht“ mit einer Moschee geworben wurde. Der Discounter gab nach, zog das Produkt zurück und sieht sich nun Kritik ausgesetzt, dass er kapituliert hätte. Kapitulieren? Stehen wir also nun doch im Krieg gegen den Islam und nicht gegen den Terrorismus? Längst müssen viele Muslime sich immerhin schon rechtfertigen, wie sie denn zu dem Attentat von Paris stehen. Müssen Christen sich dann auch zu George W. Bush und seinen Öl-Kreuzzügen positionieren, die ja auch wortwörtlich im Namen Gottes geschehen sind? Auch werden Muslime für Aktionen verantwortlich gemacht, an dem sie gar keinen Anteil haben. Als PEGIDA’s liebstes Beispiel sei hier der Wintermarkt, St.Martin oder der Nikolaus genannt, die angeblich aufgrund des Islams abgeschafft werden sollen. Hintergrund ist, dass der Zentralrat der Muslime nie etwas derartiges auch nur ansatzweise gefordert hat. Im Gegenteil: In einer Stellungsnahme zu einem anderen Thema wurde der heilige Nikolaus sogar einmal als Vorbild genannt als es darum ging Gemeinsamkeiten zwischen Bibel und Koran zu finden. Was Aktivitäten wie die Umbenennung des St.Martinszug in Sonne-Mond-Sterne-Fest anbelangt, lässt sich festhalten, dass dies von ein paar Veranstaltern selbst und ohne Druck durchgeführt wurden ist. Und – oh, Wunder – dort gibt es immer noch einen St.Martinszug, der auch noch zufällig so heißt. Die Umbenennung der gesamten Festlichkeiten fand aus ganz pragmatischen Gründen statt, da die Veranstaltungen über mehrere Tage und damit über das reine St.Martinsfest hinaus gehen. In den Systemmedien wurde dagegen der Eindruck erweckt, dass St.Martin mit Rücksicht auf die muslimische Bevölkerung verbannt wurde. Ist also was dran mit der ‚Lügenpresse‘? So einfach ist es in der Tat nicht, aber die Frage nach den Inhalten der Medien weist in die entsprechende Richtung.

…nicht ohne meinen Koran!

Es sollte mehr gefragt werden, woher dieser Hass kommt, den die Medien nur aufnehmen und vermitteln. Wo hat sich dieser ganze Hass aufgestaut? Klar ist, dass aus vielen Muslimen auch Verbitterung spricht und der Zulauf zu Terrorgruppen etwas mit der Lage des Nahen Ostens zu tun hat. Es soll keine der Taten verharmlosen, aber es sind Racheakte der Verzweiflung, gleich den Klauen eines in die Enge getriebenen Tiers. Auch wenn es hart klingt, die arabische Welt ist kein Zukunftsmodell, zumindest nicht mehr seit den letzten 500 Jahren. Auf eine ambivalente Weise ist dies den Menschen in den Regionen klar, doch sie haben eine falsche Vorstellung, was den Wandel betrifft. Die muslimischen Länder sind nach Schwarzafrika die ärmste Region der Welt, alle islamischen Staaten kommen gemeinsam nicht mal auf das BIP von Italien – ohne den beiden Hauptexportgütern Erdöl und Achselschweiß würde es noch düsterer aussehen. In den Ländern Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien, VAE, Kuwait und Syrien wurden zwischen 1986 und 2000 nur 367 Patente angemeldet – beim Erzfeind Israel waren es in der selben Zeit 7652. Der Lebensstandard von Nationen wie Deutschland, Japan oder den USA sind in den nächsten hundert Jahren praktisch uneinholbar. Im Gazastreifen beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung dagegen keine 18 Jahre. Die Menschen darben in Armut und Analphabetismus. Jährlich werden fünfmal so viele Bücher ins Griechische übersetzt wie ins Arabische. Es gibt keinen offenen Zugang zu Bildung. Menschenrechte sind allerhöchstens Männerrechte. Wenn Jugendliche in Teheran übers Internet sich Konzerte von Lady Gaga anhören, ist ihnen stets bewusst, dass alle Stars und Sternchen um ihre Region einen großen Bogen machen werden und höchstens eine Vorstellung in Tel-Aviv geben. Für die meisten Generationen ist es die Perspektivlosigkeit im brutalsten Sinne des Wortes. Und in dieser Welt leben knapp 1,2 Milliarden Menschen. An was sollen all diese da auch noch glauben, wenn nicht an den Koran? In solch einer Welt ist es fast unausweichlich, eine Mauer im Kopf aufzubauen. Schließlich war auch die Bibel das einzige Opium, welches die Christen in Europa halbwegs ungeschlachtet das finstere Mittelalter hat erdulden lassen. Dass der Orient im 21.Jahrhundert immer noch eine Krisenregion ist, hängt zum einen mit der Verweigerung sich der Moderne zu öffnen zusammen, denn dies würde bedeuten Freiheits- u. Menschenrechte zu achten, wie auch eine strikte Trennung von Staat und Kirche durchzusetzen. Erst vor kurzem wurde ein arabischer Blogger genau für diese Gedanken zu 1000 Peitschenschlägen verurteilt. Dabei hatte doch zumindest Atatürk seinen osmanischen Nachkommen die Trennung von Staat und Kirche in die Wiege gelegt, den Lateinunterricht eingeführt und einst gesagt: „Es gibt verschiedenen Kulturen, aber nur eine Zivilisation. Die Europäische.“ Der Koran sollte wie die Bibel in der Moderne nicht mehr die Grundlage für Justiz und Recht bilden. Wie würde er heute reagieren, wenn er mitansehen müsste, wie die Türkei sich unter Erdogan vom Westen distanziert?

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Eine Mitschuld trägt auch der Westen selbst, der die muslimischen Länder einst kolonisierte, aussaugte und heute nach dem schwarzen Gold verlangt und dafür Waffen liefert. Waffen mit denen die Scheiche auf ihr Volk schießen lassen oder Israelis und Palästinenser sich im Gaza gegenseitig grillen. Und jeder weiß, dass die Taliban ein Projekt der Amerikaner im Partisanenkampf gegen die Sowjets waren. Es mag zynisch klingen, aber viele Menschen aus dieser Region werfen dem Westen Heuchelei vor, wenn die Welt um 15 tote Franzosen trauert, aber die hunderten Gaza-Opfer in den abendlichen AchtUhr-Nachrichten nur mit einem Kommentar bedacht werden.

11.Januar 2015 VS 11.September 2001

Das mag alles zuweilen sehr archaisch klingen, aber dennoch haben die Ereignisse in den vergangen zwei Wochen gezeigt, dass die Welt und damit auch das christliche Abendland keineswegs dem Untergang geweiht sind – schon gar nicht durch den Islam. Im Gegenteil: Die breite Solidarität unter Christen, Juden und Muslime haben gezeigt, dass zumindest an oberster Spitze eine Lanze gebrochen wurde. Solche gemeinsamen Treuebekundungen wie in Paris oder Berlin hatte es nach dem Anschlag in New York 2001 nicht gegeben. Das Ziel waren wirtschaftspolitische Interessen – getarnt hinter dem Mantel der Vergeltung. Hätte man wirklich nichts gelernt, so hätte Frankreichs Präsident Hollande sich Napoleons Hut aufsetzen müssen und irgendwelchen islamischen Ländern wahllos zu Feindnationen erklären und angreifen müssen – wahrscheinlich wären dann nicht Irak oder Afghanistan, sondern Marokko und Algerien dran gewesen. Diese besitzen zwar nicht so viel Öl, sind aber ehemalige Kolonien der Grande Nation, die man so nebenbei einfach mal wieder hätte einkassieren können. Nach dem 11.September gingen zwar Tausende von Menschen auf die Straße um gegen den Krieg im Irak zu protestieren, aber die Invasion gegen Afghanistan und das Bashing gegen den Islam wurde nur marginal hinterfragt. Heute hat sich etwas geändert, wo viele Menschen erschrocken sind, was die Feindbilder bei vielen ihrer Freunde und Bekannten bewirkt haben, die sich dem PEGIDA-Gedankengut angeschlossen haben. Oft ist eigentlich das Gegenteil zu hören; viele Muslime fühlten unmittelbar nach den Anschlägen oft misstrauisch und skeptisch von ihrer Umwelt beäugt. Als kleines Zeichen von vielen, dass wir alle Teil dieser Welt sind, gingen in Städten wie in Düsseldorf die Lichter aus und Tausende starteten Gegendemonstrationen. Sie wollten demonstrieren, dass es egal ist, ob religiös oder politisch, ideologisch oder pragmatisch, links oder rechts, am Ende alles sich im Kreis dreht und im Hass landen kann bei dem es keine Gewinner, sondern nur Verlierer gibt. Die Gesellschaft darf sich nicht von ein paar Verrückten selbst verrückt machen lassen. Seit fast 15 Jahren führt der Westen einen Krieg gegen den Terror. Bilanz des Schreckens: Keine Siege, dafür viele Verluste. Die Welt ist noch unsicherer, noch angespannter als zuvor. Und zwischen Muslimen, Christen und Juden war der Graben nie größer. Daher verzeihen wir auch den Internethype um „Je suis Charlie“, auch wenn das Motto nicht zu inflationär verwendet werden sollte. Denn man kann nicht über andere Minderheiten wie Homosexuelle oder Juden keine Witze machen, und über andere wie den Islam sehr wohl, nur um dann fast gebetsmühlenartig zu sabbern, dass es hier ja um Meinungsfreiheit geht. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, aber es darf nicht mit offener Provokation verwechselt werden. Natürlich liegt es da oft im Blickwinkel des Betrachters, was Satire und was Beleidigung ist. Ein Streit, der fast so alt ist wie die Religionen selbst. Aber egal wie, es ist sicher keine smarte Idee wild um sich zu ballern oder sich selbst in die Luft zu jagen…wobei: Einige islamischen Fanatikern sind derart angefressen von…ja, eigentlich von allem, dass sie keine Bombe mehr brauchen, sondern schon vor lauter Wut ganz alleine platzen. Nur zu, denn unsere Welt hat bessere Menschen als diese verdient. Die können sich dann ja im Himmel mit ihren 47 Jungfrauen vergnügen. Wollen wir zu ihrem Seelenheil hoffen, dass die zumeist männlichen Attentäter dann auch weibliche Jungfrauen abkriegen. Wir haben jedenfalls noch nie von einem schwulen Taliban gehört.

Was ist also ist die Lösung? Darüber gibt es tausende Bücher und noch mehr selbst ernannte Experten, daher kann die Campus Delicti hier auch kein Kochrezept servieren. Aber was uns schon als kleines Kind beigebracht wurde, war sicher nicht ganz verkehrt. Nicht alles glauben, was man im Fernsehen sieht. Nicht alles glauben, was in der Zeitung steht. Und immer schon freundlich bleiben, man kann schließlich über alles in Ruhe twittern. Das gilt übrigens auch für die Campus Delicti 😉