Valentinstag: Der Liebestag, den keiner mag

Von Alina Konietzka

valentinstag

14. Februar – der Tag im Jahr, den die Singles am liebsten überspringen würden. Der Tag mit den dicken Euro-Zeichen im Haushaltsbuch der Blumenhändler. Und der Tag, an dem sich die Liebenden dieser Welt mit Kinkerlitzchen zuschütten. Oder auch nicht: 66% der Deutschen können den Valentinstag nicht leiden. Schade eigentlich!

Als der heilige Valentin von Terni im dritten Jahrhundert nach Christus geköpft wurde, hat er wahrscheinlich nicht damit gerechnet, dass sein Todestag einmal der Jackpot der Blumen- und Schokoladenindustrie werden würde. Zumindest nimmt man an, dass der 14. Februar Valentins Todestag ist. Vielleicht stammt dieses Datum aber auch vom römischen Feiertag zu Ehren von Juno, ihres Zeichens Göttin von Ehe und Geburt. Man weiß es nicht. Der Namenspatron des Tages Bischof Valentin hatte jedenfalls angeblich ein besonders großes Herz für Liebende. Er traute sie in christlicher Tradition und verschenkte Blumen aus seinem Garten an Verliebte. Kaiser Claudius II. fand das nicht gut – er ließ Valentin exekutieren. Wenn die Geschichte so stimmt, starb Valentin den Märtyrertod für seinen Glauben …und die Liebe. Seufz.

Das alles ist sehr, sehr lange her – der Valentinstag ist jedoch eine vergleichsweise junge Erscheinung im deutschen Brauchtum. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Tag in seiner bekannten Form hier präsent, eingeschifft vermutlich von Engländern und Amerikanern. Heute kann man sich, ob beim Fernsehen oder beim Spazieren durch die Innenstadt, in den unmittelbaren Tagen und Wochen vor dem rosaroten Tag kaum vor Erinnerungen daran retten. Dabei ergab eine Umfrage von deals.com jetzt, dass 66% der Deutschen überhaupt keinen Bock auf den Valentinstag haben. 40% sagen sogar, sie wären Valentinstags-Hasser.

Woher kommt das? Der romantischen Liebe einen Tag zu widmen, ist doch eigentlich nichts Verwerfliches und auch nichts, was einen per se ankotzen müsste. Es gibt schließlich für viel seltsamere Dinge einen eigenen Tag – so haben wir am 21. Januar erst den Tag der Jogginghose hinter uns gebracht. Den Tag der Jogginghose! Kann sich irgendjemand daran erinnern, dass da jemand gesagt hätte „Boa nee, der Tag der Jogginghose, ich hasse ihn“? Nein. Ich vermute, das hat zwei Gründe: Erstens, die Medien schlachten den Tag der Jogginghose nicht so aus wie den Valentinstag. Und zweitens: Kein anderer Feiertag, außer Weihnachten, geht mit so einem sozialen Druck einher. Schließlich tun die nervige Werbung und verkitschten TV-Formate alles dafür, dass das Gefühl entsteht, an diesem einem Tag im Jahr ein romantisches Feuerwerk für seine Liebe abfackeln zu müssen. Das setzt unter Druck und Druck kann keiner leiden. Deswegen sagen in der deals.com Umfrage auch 88% der Deutschen, man sollte dem Partner das ganze Jahr über Geschenke machen, und nicht nur am Valentinstag. Das ist ein verständlicher, ja lobenswerter Gedanke. Allerdings besitzt der Valentinstag kein Alleinstellungsrecht auf Geschenke für den Partner und fordert das auch nicht ein. Und trotzdem hasst man ihn.

Was ist es also an dem Feiertag für die Liebe, was uns so ärgert? Vielleicht ist es das Problem, dass kaum einer mehr weiß, was er eigentlich von der Liebe erwartet. Von allen Seiten wird man heutzutage mit unterschiedlichsten Vorstellungen von Liebe beballert: Da gibt es das Bild der großen exklusive Liebe à la Hollywood, es gibt aber auch offene Beziehungen und Polyamorie, außerdem wird jede dritte Ehe geschiedenen und 22 Frauen streiten sich in irgendeinem sonnigen, weitentfernten Land kreischend und sektsüppelnd um einen Bachelor. Worin findet man sich da wieder? Woran soll man da glauben? Die Ideen von Liebe driften in alle Richtungen auseinander und zerschellen gleichsam oftmals an der Realität, in der es scheinbar immer das Gegenteil zu allem gibt. Selbst wenn man in einer unterm Strich glücklichen Beziehung lebt, kann man trotzdem am Valentinstag vom nicht gemachten Abwasch seines Partners genervt sein und den Blumenstrauß lieber in die Tonne kloppen wollen, statt ihn ihm zu schenken. Der Tamtam eines Valentinstags kann einem vorkommen wie reine Selbstverarsche. Kein Wunder, dass manch einer, und zwar nicht nur Singles, das ganze Liebesgedöns als reichlich überbewertet empfinden mag.

Aber eine Lanze muss ich dann doch noch für den Valentinstag brechen.

Er ist gut gemeint und muss seinen ursprünglichen Charme nicht gänzlich in den Millionen von Schokoherzen verloren haben. Man kann diesen Tag der Liebenden als Anlass verstehen, seinem Partner oder seinem heimlichen Schwarm eine Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Einfach, weil der Tag eine Gelegenheit darstellt, die sich im Alltagswust sonst vielleicht nicht bietet – weil man sonst den Mumm nicht aufbringt, oder weil man immer irgendetwas anderes, wichtiges zu tun hat. Und man kann den Valentinstag begehen, weil es schön ist. Es ist schlicht und ergreifend schön, Zuneigung zu zeigen und zu erfahren. Ob man nun an den heiligen Valentin glaubt, an die schicksalshafte Liebe fürs Leben oder an kurzweilige biochemische Prozesse im Körper: Liebe bleibt grundsätzliche eine schöne Sache. Schöner als manch Jogginghose auf jeden Fall.


Für die, die dem Valentinstag eher negativ gegenüber stehen, hatten die Lassie Singers vor 20 Jahren schon eine Erkenntnis.

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