HHU-Alumni: Pharmazie

Pharmazie: Die Kunst, Schlaf und Freizeit als Luxusgüter anzusehen.

Von Malika Fachrou

Pharmazie ist neben Medizin das Bootcamp unter den Studienfächern. Schlaflose Nächte, Tränenausbrüche, Nervenzusammenbrüche gehören neben Praktika und Laborarbeit schon praktisch zu routinierten Studieninhalten. Warum man sich freiwillig dieser Tortur unterzieht, erklärt uns Mariam Moussa (28), HHU Pharmazie Alumni.

„Volles Programm“ ist das Erste, was Mariam rückblickend zu ihrem Pharmazie Studium einfällt. An Lerninhalten mangelt es nicht in dem straffen Studienplan. Zusätzlich zu der Laborarbeit müssen Studenten der Pharmazie die Ergebnisse vor- und nachbereiten, nebenher laufen auch noch die Vorlesungen, was das Wort „Freizeit“ nicht in den Wortschatz eines Pharmaziestudenten gehören lässt. Dies machte es der jungen Pharmaziestudentin schwierig in der Regelstudienzeit zu bleiben, weshalb sie anstelle von fünf, sechs Jahre studiert hat. Gewissensbisse über die überschrittene Studienzeit? Nicht ansatzweise. Für Mariam war das Studium, trotz Stress und hohem Lernaufwand, die schönste Zeit ihres Lebens.

Das hat uns aber auch zusammen geschweißt“

Die hohen Anforderungen im Studium hatten aber auch recht positive Seiten. Die kleine Gruppe ihrer damaligen Mitstudenten lebte ganz nach der Parole „geteiltes Leid ist halbes Leid“ und gab sich vor Klausuren gegenseitig Hilfe. Die familiäre Atmosphäre während ihrer Zeit an der Universität kann sie nur als Bereicherung verbuchen – zumal im Berufsleben ganz andere Bedingungen herrschen. Angehende Pharmazeuten sollten sich an dieser Stelle zu Herzen nehmen, dass man in der Berufswelt unvorbereitet ins kalte Wasser geworfen wird. Während man im Studium noch im Kollektiv Hürden meistert, ist die autonome Arbeitswelt Neuland für den frischen Alumni. Abgesehen von der Umstellung der Tagesroutine, ist die Distanz unter den Arbeitskollegen für viele zu Anfang recht schwierig zu händeln – Privates und Arbeit bleiben eben getrennt.

Und schon die alltäglichsten Aufgaben werfen Euch aus der Bahn…“

Mit Bravur schafft es jeder Pharmaziestudent die Herleitung jeglicher Formel herunter zu beten… rückwärts…im Schlaf. Viel bringt es einem aber nicht, wenn man als Apotheker Schwierigkeiten hat, ein Nasenspray zu verschreiben. Da das Studium recht theoretisch ausgelegt ist und die Praxis bzw. der Alltag viel banaler aussieht, liegt auch hier eine weitere Hürde auf dem Parkour zwischen Studium und Berufswelt. Nach ihrem Studium hat Mariam ein Jahr eine Apotheke geleitet – wirklich glücklich war sie jedoch nicht. Für viele Pharmaziestudenten ist der Berufweg relativ klar: nach dem Studium geht es in die Apotheke (natürlich nur, wenn sie ihr Studium überleben und nicht im Nachhinein in therapeutische Behandlung gehen). Dies ist auch der leichteste Weg, um im Berufsalltag Fuß zu fassen. Mariam war die Arbeit in der Apotheke jedoch zu stumpfsinnig, weshalb sie sich für eine Laufbahn in der Forschung entschied. Forschung ohne Doktortitel? Nicht möglich. Nach ihrem erfolgreichen Studium an der Heinrich-Heine-Universität, hat sie von einem ihrer Dozenten eine Doktoranten-Stelle angeboten bekommen, die sie zu diesem Zeitpunkt jedoch ablehnte, da sie erstmal in den Berufsalltag hineinschnuppern wollte. Da sie aber recht schnell merkte, dass sie in der Forschung besser aufgehoben ist, bewarb sie sich ein Jahr später auf die ihr angebotene Stelle und promoviert nun an der Universität.

Es wird viel mehr selektiert…“

Wenn sie rückblickend ihre Studienzeit bewertet, kann Mariam nur positiv sprechen. Jederzeit würde sie sich erneut für ein Pharmaziestudium entschließen – mit Vorbehalt. Mariam erläutert, dass von derzeitigen Studierenden ein Wandel der Studienkulturen verzeichnet wird. Während damalige Abbrecher aus Motiven der Umorientierung das Fach wechselten, sind derzeitige Beweggründe für Pharmazie-Abbrecher die nicht zu meisternden Klausuren. Viele derzeitige Studenten scheinen an den Prüfungen zu scheitern und auch die Durchfallquote der Klausuren sei gestiegen. Etwas, was Mariam zu ihrer Studienzeit so nicht kannte.

Eigene Motivation ist die einzige Möglichkeit, das Studium gut zu meistern.“

Was sie angehenden Pharmazie-Studenten noch raten möchte: Nur Pharmazie studieren, wenn es auch der eigene Wille ist. Mariams Motivation für Pharmazie bestand aus ihrer Leidenschaft an Chemie. So schwankte sie zwischen Medizin und Pharmazie, ihre Wahl fiel letztendlich auf das Pharmazie-Studium, da der Anteil an Chemie während des Medizin-Studiums zu gering war. Viele ihrer Kommilitonen begründeten jedoch ihre Berufswahl mit „Meine Eltern wollten immer, dass ich Pharmazie studiere“. Keinerlei Eigenmotivation und nur die werten Eltern glücklich machen zu wollen, mündete in den meisten Fällen bei einem abgebrochenen Studium und verschwendeten Studien- und Lebensjahren. Ihr Tipp für ein effizientes Studium und gute Noten: Altklausuren! So habt ihr eine ungefähre Orientierung was der Professor von Euch verlangt und könnt vorhandene Defizite erkennen und ausbessern. Wir danken Mariam und wünschen ihr auf ihrem weiteren beruflichen Werdegang alles Gute und viel Erfolg!