Museums-Check: Happy Hour Hamlet

Von Stephan Liebsch

Hamlet Foto

Foto: Arno Declair, 2008 (Quelle: schaubuehne.de)

Wer es geschafft hat, alle 36 Orte in der Nacht der Museen zu besuchen, besitzt wahrscheinlich die Fähigkeit, an mehreren Orten gleichzeitig zu sein. All diejenigen, welche dies nicht konnten, aber deren Budget keinen weiteren Museumsbesuch in diesem Monat mehr hergibt, können auf das Angebot der Happy Hour vieler Düsseldorfer Museen zurückgreifen. Studentenrabatt war gestern – in der letzten Öffnungsstunde kommt jeder von euch kostenlos rein, und zwar im Heinrich-Heine-Institut, Stadtmuseum, Schifffahrtsmuseum, Goethe-Museum, Filmmuseum, Hetjens-Museum und im Theatermuseum. Letzteres zeigt die Ausstellung „Hamlet – Tell my story“ noch bis einschließlich Sonntag. Ein kürzlicher Besuch ergab: Die Ausstellung ist sehenswert!

Sein oder Nicht-Sein, das ist hier die Frage!“ Dieses Zitat kennen wohl viele, wenn sie an Shakespeares Hamlet denken. Mehr fällt den meisten jedoch nicht ein, wie ein Video der Ausstellung beweist, in dem mehrere Passanten zum Inhalt des Stückes befragt werden. Dabei gilt das um 1602 geschriebene Drama als eines der berühmtesten Werke des englischen Schriftstellers.

Die Story wird im Eingangsbereich der Ausstellung kurz und knapp auf Tafeln mit Hilfe von Strichmännchen nacherzählt, eine clevere Idee, um die meist komplizierten Beziehungsgeflechte von Shakespeares Dramen dem Betrachter näherzubringen. Hamlet, Prinz von Dänemark, will sich an seinem Onkel Claudius für die Ermordung seines Vaters rächen. Mit Hilfe eines Theaterstücks versucht er, ihn als Mörder zu entlarven. Am Ende sterben sowohl Hamlet als auch Claudius.

2b or not to 2b!“ hätte Hamlet wohl geschrieben, wenn er im Besitz eines Handys gewesen wäre. Solche und andere lustige Zitate an den Museumswänden weisen darauf hin, dass Hamlet nicht zeitlich überholt, sondern ziemlich angesagt ist. Die FAZ bezeichnete Tommy Haas in einem Artikel von 2008 als den „Tennis Hamlet“, als dieser über sein Karriereende nachdachte. Hamlet ist zu einem generationenübergreifenden Mythos, aber auch zu einer Popfigur geworden, die in Form von Schuhen, Zigaretten und Haushaltsreiniger vermarktet wird. Die Komikergruppe Monty Python unterzog ihn in einer Folge von 1974 einer Psychoanalyse.

Zurück zum Theater blickend zeigt die Sammlung Ausschnitte aus verschiedenen Inszenierungen, unter anderem am nahegelegenen Schauspielhaus. Zu sehen ist ebenfalls ein Interview des 2014 verstorbenen Hamlet-Darstellers Maximilian Schell im gleichnamigen Film von 1961. Videoaufnahmen werden ergänzt durch Bilderporträts von deutschen Schauspielern, die in den Genuss kamen, diese herausragende Rolle spielen zu dürfen – von Fritz Kortner 1926 über Klaus Kinski bis hin zu Angela Winkler und Lars Eidinger 2008. Sie alle gaben ihre eigene Interpretation des Dänenprinzen ab. Und sogar die Simpsons nahmen sich dem Stoff des englischen Dramatikers an mit Bart in der Rolle des Hamlet und Moe als Claudius.

Schade an der Ausstellung ist, dass sich die einzelnen Videoinstallationen in dem sehr begrenzten Raum im Ton teilweise überschneiden. Besonders das sich alle zehn Minuten wiederholende Video zur Befragung von Passanten, was ihnen zu Hamlet einfällt, wirkt auf Dauer störend. Einfallsreich wirkt hingegen eine kleine Bretter-Bühne, auf der sich die Besucher schließlich selbst mit Hilfe einer Krone und einem Glitzerschädel inszenieren dürfen.

Fazit: Die Ausstellung, welche zuvor bereits am Deutschen Theatermuseum in München zu sehen war, lohnt sich! Zwar hätten die einzelnen Videoausschnitte aus den Inszenierungen durchaus länger sein dürfen. Um einen ersten Eindruck über den literarischen Stoff Shakespeares zu erhalten und gleichzeitig die Vielfalt an möglichen Rezeptionen zu erkennen, eignet sich die Ausstellung allemal. Noch bis Sonntag ist sie im Theatermuseum im Hofgarten zu sehen, kostenlos zur Happy Hour ab 18 Uhr.