Filmkritik: Terminator V

von Gordon Worthmann

„I’ll be back!“ – „Ohm, seriously?“ Seit Anfang Juli mordet sich mit „Terminator: Genisys“ wieder die beliebteste Killermaschine der Filmgeschichte durch unsere Lichtspielhäuser. Arnold Schwarzenegger in seiner unsterblichen Rolle als kybernetischer Organismus T-800 Cyberdyne Systems-Modell 101 – oder besser bekannt als der Terminator. Und das in seinem nunmehr fünften Auftritt. Doch hat der Cyborg mittlerweile Rost angesetzt?

Hasta la vista, Baby!“ Wer diesen Spruch nicht kennt, hat definitiv eine Bildungslücke, da hilft es auch nichts, wenn man zum Ausgleich ein paar Zitate von Heinrich Heine aufsagen kann. Dieser markige Slogan ist von tragischer Reichweite poetischen Ausmaßes. Es ist der Spruch, der am meisten mit Arnold Schwarzenegger in Verbindung gebracht wird, ein Mann, den man ohne Übertreibung als ein Phänomen bezeichnen kann. Geboren unter ärmlichen Verhältnissen in der Steiermark, siedelte der gebürtige Österreicher auf eigene Faust in die USA über und brachte es als Bodybuilder zum Mister Universe, Unternehmer, Multi-Millionär und Gouverneur von Kalifornien. Aber am meisten ist er den Menschen als Hollywoodstar ein Begriff. Zwar ergatterte er bereits zuvor ein paar kultige Rollen, aber erst mit „The Terminator“ des damals noch unbekannten Regisseurs James Cameron, gelang ihm 1984 der ganz große Durchbruch. Obwohl der von ihm verkörperte Cyborg nicht der Held, sondern der Antagonist war und bereits im ersten Film vernichtet wurde, war allen Beteiligten klar, dass der Muskelmann mit dem deutschen Akzent in der anvisierten Fortsetzung ebenfalls wieder auftauchen müsse. Arnold Schwarzenegger sei das tragende Element des Franchises und mit ihm erlebt der fünfte Teil der Reihe die wenigen Pluspunkte die „Genisys“ aufzufahren hat. Aber eins nach dem anderen.

Für alle, die unbewandert sind auf dem Schlachtfeld zwischen Menschen und Maschinen, soll hier kurz die historische Genese der Terminator-Saga wiedergegeben werden. Heute klingt das Grundhandlungsgerüst etwas angestaubt, was aber nur daran liegt, dass es später von James Camerons Meisterwerk oftmals kopiert wurde. Als „The Terminator“ 1984 in die Kinos kam, war die Idee völlig revolutionär: In der Zukunft kämpfen der Rest der Menschheit gegen jene, die einen Atomkrieg ausgelöst und die gesamte Erde in eine Trümmerwüste verwandelt haben, K.I.: Künstliche Intelligenz. Denn es war das Computersystem Skynet, welches um die Jahrtausendwende ein eigenes Bewusstsein entwickelte und Menschen als Bedrohung ansah. Was folgte war ein apokalyptischer Kampf um die zerstörte Erde, wo Jackals, Replikanten, Infiltratoren und eben die berühmten Terminator – kurz: eine Armee von Cyborgs, Robotern und Androiden – Jagd auf die letzten überlebenden Menschen machten. Doch unter der Führung des Generals John Connor vereinen die Menschen sich und schlagen zurück. Als das System Skynet erkennt, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen ist, schickt es einen seiner jüngsten Terminator-Prototypen in die neuste technologische Entwicklung: Eine Zeitmaschine. Der Cyborg (welcher von außen unscheinbar wie ein Mensch aussieht) wird ins Jahr 1984 geschickt und soll dort die Mutter des Revolutionsanführers, Sarah Connor, liquidieren – mit dem Ziel, dass John Connor niemals geboren wird und die Menschheit nicht zum Sieg führen kann. Doch bevor der Zeittunnel sich schließt, gelingt es noch dem Soldaten Kyle Reeves ebenfalls ins Jahr 1984 zu gelangen. Sein Auftrag lautet nun, Sarah Connor um jeden Preis vor dem Terminator zu schützen. Dieser Plot wurde zu einem Meilenstein des Action-Thrillers, obwohl James Cameron damals noch als unbeschriebenes Blatt mit den billigsten Mitteln arbeitete und daher äußerst kreativ an die Sache herangehen musste, wenn daraus kein billiger Killerroboter-Film werden sollte. So gesehen ist der erste Terminatorfilm ein wenig wie „Der weisse Hai“ – eben nur mit einem Cyborg statt einem Hai. Wie ein Raubtier macht die Maschine Jagd auf Sarah Connor und ihrem Beschützer, was zu spannenden Verfolgungsjagden und wilden Schusswechseln führt – alles unterstützt durch den einmaligen Filmscore von Brad Fiedel. Hier ist nicht das Meer, sondern der Großstadtdschungel das Revier des Raubtiers. Dabei nahm man durch die Verletzungen des Terminators immer mehr war, dass es sich um eine Maschine handelte. Erst ganz am Ende, nachdem der Killer scheinbar vernichtet wurde, sieht man im Finale das ganze metallene Mordgerüst in seiner kompletten Form.

Nach dem bombastischen Erfolg des Films gierten natürlich alle nach einer Fortsetzung. Doch wie sollte es weiter gehen? Arnold Schwarzenegger als Cyborg war zerstört und auch Kyle Reeves hatte sich im Kampf geopfert. Übrig blieb nur Sarah Connor, gespielt von Linda Hamilton. Doch James Cameron hatte schon mit seiner Fortsetzung zu „Alien“ bewiesen, dass er wusste, wie man auf der Partitur des Kinos zu spielen hatte. Denn „Terminator II: Tag der Abrechnung“ gehört zu den wenigen Filmen, die sogar noch besser sind als ihr fulminanter Vorgänger. War der erste Teil schon wegweisend für das Kinogenre, so ist die Fortsetzung das reinste Nirwana. Alles wurde getoppt! Denn diesmal schickten die Maschinen eine weiterentwickelte Form von Cyborgs in die Vergangenheit, den T-1000. Er sollte 1994 John Connor selbst angreifen, als dieser noch ein Kind war. Die Menschen in der Zukunft hatten mittlerweile selbst die Technologie übernommen, so reprogrammierte der alte John Connor das Terminator-Modell alias Arnold Schwarzenegger um und schickte ihn ebenfalls nach 1994 um sein eigenes Ich in der Kindheit beschützen zu lassen. Dadurch, dass diesmal nicht Mensch gegen Maschine, sondern Maschine gegen Maschine kämpfte, konnte der Actionpegel endlos hochgetrieben werden, da die beiden Kontrahenten sich so viel Blei in die mechanisierten Körper pumpen konnten ohne zu sterben. So wird der Streifen bis heute zusammen mit „Heat“, „Hard-Boiled“ und „The Raid“ zu den besten Actionfilmen gezählt.

Damit die Handlung aber nicht in hohle Schießereien ausartete, verfeinerte Cameron die Handlung, Figurenentwicklung und Spannungsaufbau. So konnte Linda Hamilton ihre Rolle als Sarah Connor überzeugend weiterentwickeln – aus dem unscheinbaren Hausfrauen-Opfer im ersten Teil ist im Sequel mittlerweile eine Terroristin geworden, die versucht die Firma Cyberdyne in die Luft zu sprengen, damit diese niemals Skynet entwickelt. Dabei vernachlässigte sie aber natürlich ihre Rolle als Mutter, was sich auf die Entwicklung des jungen John Connor niederschlägt. Auf der anderen Seite erlebt die Story menschliche Züge, da eben jener John Connor sich mit der eigentlich emotionslosen Maschine anfreundet und ihm selbst einige menschliche Züge abgewinnen kann. Am Ende ist diese seelenlose Maschine für ihn nicht nur ein Beschützer, sondern auch Elternersatz. Das Team John Connor/Terminator ist somit bei weitem frischer, lustiger und in all der Härte des Films sogar herzerwärmender als das Duo Sarah Connor/Kyle Reeves im Film zuvor. „Terminator II“ gilt damit bis heute nicht nur als gelungenes Beispiel für ein gelungenes Sequel, sondern auch als die Perfektion des Action-Kinos. Und eigentlich hätte hier Schluss sein müssen, denn dem jungen John Connor gelang es dort zusammen mit seiner Mutter tatsächlich die Firma Cyberdyne zu zerstören. Damit war der Untergang der Welt eigentlich abgewandt. Dennoch folgte 2003 mit „Terminator III: Rebellion der Maschinen“ ein weiterer Teil, welcher aber nicht mehr an die beiden Vorgänger heranreichte, da er die altbekannten Zutaten einfach nur neu verrührte. Zwar wurde abermals ein Terminator in die Vergangenheit geschickt um John Connor zu schützen (der auch mal wieder zufällig wie Arnold Schwarzenegger aussah), aber von diesem Zeitpunkt an war James Cameron nicht mehr an dem Franchise beteiligt, auch Linda Hamilton kehrte nicht mehr für ihre Rolle zurück. Die Figur des John Connor wurde ohnehin in jedem Film von einem anderen Schauspieler übernommen. Zudem war der Terminator hier so harmlos wie noch nie, wurde der berüchtigte Brutalitätsgrad doch dermaßen runtergeschraubt, um ein FSK 16 und sogar ein JMK 12 zu erhalten, um auch möglichst viele junge, zahlungskräftige Zuschauer in die Kinos zu locken. Dementsprechend zwiespältig kam der Streifen an, weswegen die Produzenten entschieden, eine komplett neue Trilogie zu erschaffen. Diese sollte als Neustart ohne Arnold Schwarzenegger auskommen und nicht in der Gegenwart, sondern den Kampf in der Zukunft zeigen, so wie er in Rückblicken in den vorigen Filmen immer mal wieder auszugsweise in seiner Zerstörungswut zelebriert wurde. Allerdings war „Terminator: Die Erlösung“ so langweilig und uninspiriert geschossen, dass er vom Publikum fast sprichwörtlich ignoriert wurde und alle Pläne für eine neue Trilogie zerschmetterte. Auch die fürs TV produzierte Serie „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ floppte gnadenlos; im deutschen Fernsehen wurde sie übrigens als „Terminator: SCC“ angekündigt, damit der dümmliche Bundesfernsehzuschauer nicht annahm, es handelte sich um eine Doku um die Popsängerin Sarah Connor. Deutschland, peinlich Vaterland…

Die Studios merkten, dass es ohne Arnold Schwarzenegger als Kristallisationspunkt nicht klappt, weswegen das Reboot „Terminator: Die Erlösung“ mal schnell im Handumdrehen zu „Terminator IV“ umetikettiert und in die alte Filmreihe eingesteckt wurde. Nun sollte ein fünfter Teil eiligst herbeigerufen werden, um die vorigen Fehler wieder gerade zu bügeln. Und dieser wurde uns nun serviert. Wir halten kurz und knapp fest: Auch dieser Film ist unnötig. Er ist zwar besser als der dritte und vierte Teil, kommt aber auch nicht an den Genius der unsterblichen beiden ersten Filme heran. Das größte Eigentor haben die Produzenten sich aber selbst geschossen. Denn wie in kaum einen anderen Film wurde in den Trailern derart viel verraten und vorweggenommen, dass der Streifen kaum noch Überraschungen besitzt. Daher ist es auch mal nicht schlimm, wenn wir verraten, dass der Höhepunkt das gesamte erste Drittel des Films ist. Denn hier finden sich viele Zitate auf die ersten beiden Teile, womit einige kleine Lücken geschlossen werden. Auch das sogenannte Finale findet bereits im ersten Drittel statt. Denn hier schicken die Menschen den Schwarzenegger-Terminator abermals ins Jahr 1984 zurück. Dort trifft er auch auf den Arnold Schwarzenegger aus dem ersten Film, der noch mit dem Auftrag entsendet wurde Sarah Connor zu töten. So kämpft der alte Arnold Schwarzenegger aus dem fünften Teil gegen den jungen Arnold Schwarzenegger aus dem ersten Teil. Das ist in der Tat eine wirklich coole Idee. Zeitreisen machen solche amüsanten Paradoxen eben möglich. Das Design für den jungen Arnie hat man erschaffen, indem man einen muskulösen, jungen Schauspieler nahm und per Computertechnik das Gesicht des jungen Schwarzenegger digital drüber legte. Und der alte Schwarzenegger…Moment, ein alter Terminator?

Ja, das Alter ist an dem charmanten Schauspieler nicht spurlos vorbeigegangen. Doch um zu erklären, wie ein eigentlich unsterblicher Cyborg altern kann, hat man eine mehr oder weniger griffige Erklärung gefunden. Um möglichst echt zu wirken, werden die Cyborgs mit echter Menschenhaut überzogen, die eben auch altert. Dies ist in der Tat kein fauler Kompromiss, denn bereits in der ersten Verfilmung von 1984 erklärte Kyle Reeves: „Die Terminator sind Infiltrationseinheiten. Halb Mensch, halb Maschine. Darunter ist eine Kampfkarosserie aus einer Hyperlegierung. Mikroprozessorenkontrolliert. Voll gepanzert und sehr widerstandsfähig, aber außen ist es echtes, menschliches Gewebe. Fleisch, Haar, Haut, Blut, gezüchtet für die Cyborgs. […] Die 600er-Serie hatte eine Gummihaut. Wir haben sie sehr leicht erkannt. Aber diese hier sind neu, sehen aus wie Menschen. Sie schwitzen, haben schlechten Atem, an alles wurde gedacht! Ganz schwer zu entlarven!“

Und überhaupt gehen die besten Oneliner auf das Konto der zynischen Killermaschine, auch wenn sie hier ihren Namen ebenfalls nicht mehr ganz verdient. Auch dieser Terminator ist nämlich sehr blutarm inszeniert, weswegen Schwarzenegger eher durch humoristische Einlagen begeistert oder durch Selbstzitate an die guten, alten Zeiten zurückerinnert. Leider hat man beizeiten das Gefühl, dass er mehr eine Nebenfigur ist, weil die anderen Personen in den Vordergrund gerückt werden – diese bleiben aber in ihrem Profil blass und ihr Schicksal dürfte nur die wenigsten Zuschauer ernsthaft interessieren. Die letzten beiden Drittel des Films sind dann zwar nicht unguckbar, aber selbst die größte Actionszene wird nicht dauerhaft im Gedächtnis haften bleiben. Man hat alles irgendwie schonmal woanders gesehen. Kein Vergleich zu Szenen wie im ersten Teil, als der Terminator noch als Ein-Mann-Armee ein ganzes Polizeipräsidium in Schutt und Asche legte, und gnadenlos alle Beamten niederschoss. Von den atemberaubenden Verfolgungsjagden im zweiten Teil via Motorrad, Lkw oder Helikopter (die alle damals noch ohne Computereffekte verwirklicht wurden und daher realistisch aussahen, weil sie eben einfach realistisch waren) gar nicht zu sprechen. Zudem hat der Streifen mit einem anderen Lapsus zu kämpfen, denn die ganzen Zeitsprünge und dadurch entstehenden Paradoxien, lassen die Handlung sehr krude wirken, sodass die Protagonisten sehr häufig all dies erst für den Zuschauer erklären müssen statt aktiv zu handeln. Hier auch gleichzeitig ein kleiner Tipp an alle herangehenden Drehbuchautoren. Es ist ein großer Unterschied, ob man eine komplexe oder eine komplizierte Handlung entwirft. Erstes ist gut, letzteres schlecht. Leider trifft das letztere im Fall vom neuen Terminator zu.

Fazit: „Terminator: Genisys“ wird die Fans der Reihe dennoch amüsieren, aber kaum begeistern. Der Film ist aber eben auch genau nur den Hardcorefans zu empfehlen. Alle anderen Kinogänger sollten dem Streifen fernbleiben, alleine schon, weil man die Vorgängerfilme gesehen haben muss, um hier überhaupt durchblicken zu können. Der Film selbst ist kein Meisterwerk, aber auch kein Totalausfall. Wäre das Prädikat ‚Terminator‘ und vor allem der Name Schwarzenegger nicht, der Streifen würde als gängiger 08/15-Actionfilm durchgewunken werden. Dementsprechend bleibt zu hoffen, dass dies endgültig der letzte Teil der gesamten Reihe bleiben wird. An den Startwochenenden schmierte der Streifen auf jeden Fall schon mal ab, womit auch die zuvor genannten Pläne der Studios für eine neue Terminator-Fernsehserie direkt wieder in Frage gestellt werden. Allerdings haben die Produzenten bereits verkündet, dass sie trotzdem weiter am Franchise herumwerkeln werden, damit die Rechte nicht wieder an James Cameron zurückgehen. Abschließend bleibt damit noch eine Korrektur von der Anfangshypothese vorzunehmen. Arnold Schwarzenegger vor der Kamera ist nicht das einzig tragende Element der Reihe, sondern es bedarf auch eines James Cameron hinter der Kamera.