Filmsyndikat: Wir machen euch ein Angebot, das ihr nicht ablehnen könnt

von Gordon Worthmann

Düsseldorf ist dieses Jahr um einen geheimen Treffpunkt reicher. Das Filmsyndikat bietet die Anlaufstelle für Cineasten und Sammler seltener Filmartikel und alles rund ums Kino.

Neben einer Lounge, einer Leseecke und eines FSK-18-Bereichs, kann man es sich zum Quatschen oder Stöbern auf einem der Barhocker gemütlich machen. Im Filmsyndikat soll man nicht nur einkaufen, sondern sich auch wohlfühlen.

Neben einer Lounge, einer Leseecke und eines FSK-18-Bereichs, kann man es sich zum Quatschen oder Stöbern auf einem der Barhocker gemütlich machen. Im Filmsyndikat soll man nicht nur einkaufen, sondern sich auch wohlfühlen.

Noch ehe man sie sieht, erwarten sie einen. Die Infrarotscanner der Cyborgs durchleuchten einen mit ihren mechanischen Augen wie Sonnenstrahlen ein von Tau beperltes Spinnennetz. Dutzende der teuflischen Cyberdyne-Modelle starren einen an, programmiert um zu töten, programmiert um zu terminieren. Terminator. Cyborgs, lauernd und wachend über den Eingang des…Filmsyndikats? Moment, haben die Autoren der Campus Delicti da was durcheinander gebracht? Immerhin ist das Filmsyndikat ein Unternehmen. Was haben Killermaschinen damit zu tun? Nicht gerade sehr einladend für Kunden, möchte man meinen. Doch hier handelt es sich um das Filmsyndikat, ein wilder BWL-Cocktail aus Videothek, Café, Genrekino, Comicbuchladen und Fantasyshop. Und noch bevor man den Store auf der Derendorferstraße 50 in Pempelfort betritt, blicken einem durch die großen Schaufenster die metallenen Büsten der Terminator an. Nur gut, dass dort auch eine lebensgroße Statue von Batman aufgestellt ist, um uns zu beschützen. The Dark Knight VS Terminator. Das wäre auch ein interessantes Crossover, nicht? Aber nun betreten wir erst einmal das Filmsyndikat. Nebenbei: Auf Seite XX könnt ihr die Kritik zum neuen Terminatorfilm lesen.

Man öffnet die Pforte und wird sogleich mit dem Türsteher konfrontiert: Iron-Man in Originalgröße (siehe Bild). Ob Tony Stark dort drinsteckt oder es eine seiner ferngesteuerten Rüstungen ist, können wir nicht sagen. Ebenso fehlt es an schlüssigen Worten, um das Filmsyndikat zu beschreiben. Vielleicht klappt es so am besten: Man stelle sich vor, Quentin Tarantino fängt sich die schlimmste Grippe seines Lebens ein und legt sich schlafen. Nun wird er von einem morbiden Fiebertraum heimgesucht, der ihn durch sein ganzes enzyklopädisches Wissen aus Filmen, Musik und Games jagt. Da rennt er auf einer Stelle keuchend auf einen Saloon zu, während Freddy Krueger mit seiner Klauenhand nach ihm greift. Im Saloon von Rio Bravo hängen derweil The Good, the Bad and the Ugly lässig am Bartresen ab, die Blues Brothers geben auf der kleinen Bühne ein Konzert, die Minions ziehen im Treck durch die Stadt, während Starsky und Hutch in der City of God auf die Klasse von 1984 treffen. Dazu rauscht, natürlich voll aufgedreht, K-Billy’s Super Sounds of the Seventies. Kungfu-Filme der ersten Generation flackern plötzlich wie Blitze und Kaskaden auf einem monochromen Bildschirm, Sonny Chiba kloppt sich mit Bruce Lee, die Sieben Samurai schauen vorbei, man kann Seven Bloodstained Orchids pflücken und sich dabei wie im Haus der langen Schatten fühlen. So oder ähnlich würde der kafkaeske Traum aussehen. Und wenn man all diese Mikrokosmen unter ein Dach packt, dann kommt das Filmsyndikat dabei heraus.

Fatih Kozan hinter seinem Verkaufstresen. „Erst hast Du eine DVD, dann zehn, dann Hundert. Irgendwann hörst du auf zu zählen.“ Mittlweile hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und beherbergt über 75.000 Filme sowie sehr, sehr viel Merchandise und andere Spezialitäten rund ums Medium Film.

Fatih Kozan hinter seinem Verkaufstresen. „Erst hast Du eine DVD, dann zehn, dann Hundert. Irgendwann hörst du auf zu zählen.“ Mittlweile hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und beherbergt über 75.000 Filme sowie sehr, sehr viel Merchandise und andere Spezialitäten rund ums Medium Film.

Es ist ein Geschäft und Treffpunkt für Enthusiasten zugleich. Jede Videothek wirkt gegen diese kleine Welt wie eine angestaubte, barocke Vorzimmergarnitur. Gegründet wurde der feuchte Traum aller Cineasten von Fatih Kozan, der selbst leidenschaftlicher Film-Fan ist und sein Hobby sprichwörtlich zu seinem Beruf gemacht hat. „Der Ausgangspunkt hierfür sind zehn Jahre Sammlerleidenschaft. Irgendwann bemerkte ich, dass ich nicht nur über tausende von VHS, DVD’s, Bluray’s und Laser-Disc‘ verfügte, sondern viele coole Streifen wie Planet Terror gleich mehrmals in verschiedenen Editionen besaß“, erklärt er motiviert. „Irgendwann reicht es nicht mehr in die großen Elektronik-Märkte zu gehen, man besucht Conventions und Filmbörsen. Man tauscht, handelt, kauft, verkauft und irgendwann hatte ich mir – ohne es direkt zu bemerken – ein Netzwerk aufgebaut.“ Wer die Händler sind, bei denen Fatih Kozan einkauft, bleibt sein Geheimnis, aber er verspricht jeden Film, jede noch so seltene Pressung beschaffen zu können. Denn der Fokus des Filmsyndikats liegt vor allem darauf keine Mainstreamartikel anzubieten wie in üblichen Geschäften, sondern seltene Raritäten, für die Besucher sogar von weither angereist kommen. Dabei gibt es das Filmsyndikat nicht mal ein Jahr und dennoch hat Kozan es nicht nötig an den großen Veranstaltungen, wie der Filmbörse in Neuss, das Geschäft zu machen. „Dahin nehmen wir nur einige schicke Ausstellungsstücke mit“, sagt er amüsiert, denn seine Idee geht noch etwas weiter. Beim Filmsyndikat soll man nicht einfach nur einkaufen – andernfalls könnte man ja auch gleich alles über den Onlinehandel abwickeln – sondern sich auch wohlfühlen, das Gespräch mit anderen Besuchern und Filmvirtuosen suchen. Und tatsächlich hat sich mittlerweile eine kleine und treue Fangemeinde eingefunden, da es im Filmsyndikat auch immer wieder Filmabende mit speziellen Themen gibt. Als wir vor Ort waren, wurde gerade damit begonnen die Leinwand für den Peter Jackson-Abend aufzubauen. Das bedeutet Filme wie Bad Taste, Meet the Feebles oder sein berüchtigt, brutaler Zombie-Rasenmäher-Mann-Film. Genau, denn bevor Jackson dem Mainstream verfallen ist und mit Hobbits und Elben Milliarden verdient hat, brachte der Neuseeländer noch richtig abgefahrene Streifen auf den Markt. Um sich wohlzufühlen gibt es eine große Bar mit Snacks und Getränken und eine Lounge, wo die Gäste während des Filmabends Platz nehmen können. Aber auch während der normalen Öffnungszeiten kann hier jeder reinkommen, es sich auf den gemütlichen Sesseln bequem machen und in der Fachliteratur nachblättern: Marvel-Comics, Lustige Taschenbücher, ein großer Bilderband über Stanley Kubrick, ein Almanach für die Raumschiffe aus Star Wars und, und, und…

Das Unheimlichste ist aber, dass Fatih Kozan fast alle Artikel im Kopf und über jeden Film sofort Bescheid weiß. Dabei beherbergt das Geschäft über 75.000 Artikel, die alle noch nicht mal im Warenerfassungssystem eingespeist sind. Da fragt man sich, was denn sein Lieblingsfilm sei? „Scarface!“ heißt es da sofort. „Aber auch Goodfellas oder Casino.“ Da ist es kein Wunder, dass das Label des Syndikats einen grimmig, dreinschauenden Mafiosi mit Gewehren im Anschlag zeigt, der wahrscheinlich nicht per Zufall Ähnlichkeit mit Tony Montana aufweist. Bleiben wir kurz bei Gangsterfilmen. Wir fragten bei all den Raritäten nach, was das seltenste und teuerste Stück sei, das hier über den Tresen gegangen sei. Ein kleiner Tipp vorweg: Es handelt sich um einen Film, der auch häufig als der wahrscheinlich beste Streifen aller Zeiten genannt wird. Na…?

„Für 2.500€ haben wir die Box zur Trilogie von Der Pate verkauft. Aber natürlich keine gewöhnliche Box“, antwortet Fatih augenzwinkernd. „Es handelte sich um eine auf gerade mal 180 Stück limitierte Auflage, die in Australien hergestellt wurde und dennoch über eine deutsche Tonspur verfügt. Die Box selbst war aus Sandelholz gefertigt und glich einem kleinen Waffenbehältnis, wie sie Mafiosi in Filmen nutzen, um ihre private Handfeuerwaffe zu hinterlegen. In dem kleinen Köfferchen selbst befand sich neben den drei Filmen mit allerlei Zusatzmaterial auch tatsächlich der Nachbau solch einer Pistole. Eben ein absolutes Sammlerstück.“ Und obwohl der FSK-Bereich wie auch einige andere Fanstücke darauf schließen lassen könnten, dass hier vornehmlich auf harte Gangster- und Horrorfilme Wert gelegt wird, sieht es anders aus. In Wahrheit ist die Nachfrage relativ ausgeglichen. „Wir haben z.B. auch jede Menge Disneyfilme und die Kunden fragen nach den unterschiedlichsten Genres. Erst neulich habe ich jemanden auf Wunsch einen russischen Ballettfilm beschafft.“ Das Filmsyndikat bietet damit alles, was Fans sich wünschen und versucht dabei auch noch günstiger zu sein, als wenn man sich seltene Stücke beispielsweise über Ebay ersteigert. Um für die Veranstaltungen immer auf dem Laufenden zu bleiben, kann man die Facebookseite aufsuchen oder sich über die App beeto einlinken. Da will man zum Ende dann doch fragen, wie Fatih den neuen Terminator fand. Aber um das zu erfahren, solltet ihr vielleicht besser selbst das Filmsyndikat aufsuchen und ihn einfach mal fragen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.