Die Stimme des Wutbürgers: Homo-Gleichberechtigung

von Kurt Spindler

Thema: Homo-Gleichberechtigung. Am Anfang war das Stöhnen. Seit Anbeginn der Zeit wurden Homosexuelle vom Rest der Menschheit ausgestoßen und gejagt. Selbst im 21. Jahrhundert sind Homosexuelle noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wo auf der einen Seite die Rechte für Schwule und Lesben steigen, wächst auf der anderen Seite der Widerstand. Daher fordert der IQC einen eigenen Staat für Homosexuelle: Gayland!

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Homosexuelle auf der Welt fordern einen eigenen Staat namens Gayland. Wird diese Nation dann auch eine reguläre Armee besitzen? Und wie ist dies mit den homosexuellen Werten von Pazifismus in Einklang zu bringen? Bildquelle: www.tinypic.com

Und plötzlich war die Homo-Ehe in den USA denen der heterosexuellen Paare gleichgestellt. Ein großer Erfolg, doch schon bei der Gleichstellung in Irland nannte der Vatikan in seinem mal wieder zelebrierten Fortschrittsgedanken dies eine „Niederlage für die Menschheit.“ In vielen Ländern wie in Russland müssen Schwule und Lesben bis heute fürchten, wie von den Stieren in Pamplona durch die Straßen gejagt und aufgespießt zu werden. Immer häufiger fordern Vertreter homosexueller Organisationen daher ein übergeordnetes Gebilde, das sich für den Schutz und die Rechte der gleichgeschlechtlichen Liebe einsetzt. Was zunächst als Scherz oder nette Idee begann, wird nun ernsthaft diskutiert vom IQC, dem International Queer Council in San Francisco: Ein Land, dass nur den Homos gehört. Als Beispiel wird oft der Gedanke des Zionismus angeführt, der schließlich zur Gründung des Staates Israel führte und ein sicherer und staatlicher Anlaufhafen für Juden überall auf der Welt ist. So wollen es nun auch viele Schwule und Lesben.

Die Homosexuellen wollen also ein eigenes Land. Doch woher nehmen? Ein Vorschlag kam durch die sich überschlagenden Ereignisse bereits in jüngster Zeit. EU-Vizepräsident Timmermans brachte den Vorschlag zur Eurokrise ein, dass man das marode Griechenland als Nation völkerrechtlich auflösen solle – genauso ähnlich wie es 1945 mit dem Deutschen Reich oder 1991 mit der Sowjetunion geschah – und als einen neuen Staat wiederbegründen sollte. Dieses Land solle dann ähnlich wie Israel, dass man 1947 auf den Ruinen des alten Palästinas proklamierte, auf den liquidierten Hellas als Homo-Staat ausgerufen werden. Der Name der Queer-Republik? Gayland! Bisher erfuhr dieser Vorschlag keine Kritik, schlage man damit doch zwei Fliegen mit einer Klappe. Nicht nur hätten die Homosexuellen endlich ihren eigenen Staat, sondern auch die Griechenlandkrise wäre auf einen Schlag gelöst, ohne dass die EU um einen Mitgliedsstaat trauern müsste, da Gayland als juristischer Nachfolgerstaat in der Eurozone verbleiben würde, ohne die Altschulden weiter bedienen zu müssen. Man könnte praktisch bei Null anfangen. Zudem würde sich ein symbolischer Kreis schließen, waren es doch die Hellenen im antiken Griechenland, welche als Knabenliebhaber die Homo-Kultur erst zur Kunstform erhoben und in ihre Philosophie mit eingewoben haben. Die Homosexuellen der Gegenwart würden somit wieder in ihr lang vergessenes Heimatland zurückkehren, so wie die Zionisten einst ins Heilige Land. Jene Griechen, die sich mit dieser neuen Staatsform nicht identifizieren können, bietet man volles Asylrecht in einem EU-Land ihrer Wahl an. Doch darf man kaum annehmen, dass bei dem prognostizierten Wirtschaftsaufschwung der Exodus aus Griechenland nicht außerordentlich groß sein wird. Man stelle sich nur jetzt schon vor, wie Unternehmen nach einem homosexuellen Wertekanon aufgezogen werden, ob diese an der Börse später in einer Art Blow-Jones oder GSI, dem Gay Stock Index, notiert werden, steht noch in den Sternen.

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Ein brisanter Vorschlag lautet die Queer-Republik Gayland im maroden Griechenland zu proklamieren, dem antiken Heimatland der Homosexualität. Provokation oder Lösungsansatz?

In den Reihen der Schwulen- und Lesbenbewegung stößt die Idee aber schon jetzt auf neugierige Ohren. In Paris wurde bereits ein spontanes Komitee zusammengetrommelt, das einen parlamentarischen Homo-Rat vorbereiten soll, welcher wiederum einen ersten Verfassungsentwurf ausarbeiten soll. Viele Ideen kursieren schon jetzt durch die Schwulenbars und Lesbendiskotheken der Welt. So steht es wohl außer Frage, dass als Nationalhymne nur „Y.M.C.A.“ von den Village People in Frage kommen würde. Die Nationalflagge wären die Regenbogenfarben der Homobewegung. Zur Frage der Währung gibt es zwei Optionen: Entweder man übernimmt den Euro und bleibt in der Eurozone, was angesichts der Finanzkrise als momentan unattraktiv gilt oder die Einführung eines neuen Zahlmittels, den sogenannten Milk-Dollar oder kurz Milkie – eine Hommage an den amerikanischen Politiker und Schwulenrechtler Harvey Milk. Einige Homo-Rechtler erträumen sich schon jetzt eine eigene Mannschaft bei internationalen Sportveranstaltungen, die in engen, pinken Trikots ins Stadion marschiert. Gleichzeitig soll Gangbang als neue olympische Disziplin eingeführt werden. Athen als neue Hauptstadt von Gayland würde man umbenennen in Xanadu. Und je mehr man mit dem Gedanken spielt, umso treffender deckt sich die Vorstellung mit der Idee. So würden die nackten Mamorstatuen der gutgebauten, griechischen Helden und Götter doch perfekt ins Gesamtbild von Xanadu passen und eine Art Weltforum der Homokultur schaffen. Und auch die eigene Mythologie solle nicht zu kurz kommen. So plädieren schon jetzt vor allem Lesben, dass vor dem neueröffneten Parlament, dem sogenannten Vaginallus (ein Kofferwort aus Vagina und Phallus), eine bronzene Statue von Sir Ludwig-Treibes von Hinten aufgestellt wird, dem ersten Adligen im Mittelalter, der sich offen zu seiner Homosexualität bekannte und daher als Anal-Ritter in die Geschichtsbücher einging, verbreitete er mit seiner Lanze doch einst Angst und Schrecken unter den katholischen Missionaren, die versuchten, ihm wegen seiner sündhaften Unzucht den Hoden zu amputieren. Offen aber noch die Frage, wie das offizielle Staatswappen aussehen soll. Als alternative Übergangslösung wählte man bisher einfach nur das Konterfei von Freddie Mercury. Das dies aber im Moment nur provisorischen Charakter hat, liegt auch darin, dass der Sänger der Band Queen nicht ausschließlich schwul, sondern bisexuell war. Allerdings verkünden schon jetzt Sprecher, dass man auch offen gegenüber aller Arten der sexuellen Orientierung sei. So wären heterosexuelle Menschen in Gayland genauso willkommen wie metrosexuelle. Dennoch würde Gayland auf dem internationalen Parkett wie eine Art Anwalt für alle Schwulen und Lesben in der Welt auftreten. Fraglich ist, ob Gayland, so es denn eines Tages proklamiert wird, einen Sitz in den Vereinten Nationen erhalten wird. Dazu müsste nämlich ein Großteil der Nationen den jungen Staat erst anerkennen, schon bei Israel und der DDR waren dies keine einfachen Fragen. Auch andere völkerrechtliche und politische Hürden müssten erst genommen werden. Es bleibt aber zu bezweifeln, dass religiös angehauchte Nationen wie Polen oder lateinamerikanische Staaten sowie die gesamte arabische Welt Gayland jemals anerkennen werden. Es besteht sogar der Ausblick, dass der Vatikan alle katholischen Länder zum heiligen Kreuzzug aufruft und Gayland prompt den Krieg erklären würde. Dies würde zu einer asymmetrischen Weltpolitik führen, da Länder wie die USA sich entscheiden müssten, ob sie für Gott oder die Freiheit kämpfen würden.

Nun könnte man annehmen, dass hier zu viel und zu weit in die Zukunft interpretiert wird, wäre da nicht die kürzlich aufgetauchte Gerolsteiner Denkschrift vom September 2014. So wurde bei einem Treffen im kleinen Kreis inmitten der Eifel ein Protokoll erstellt, dessen Inhalt die militärische Verteidigung der Homo-Kultur ist. Dies wird unter Schwulen und Lesben kontrovers diskutiert, zeichnet sich die homosexuelle Szene doch seit jeher durch Pazifismus und Liberalismus aus. Dennoch hat die offene Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit im Verlauf des 20. Jahrhunderts auch neue, offensive Denkschulen hervorgebracht. So ist die Denkschrift zwar noch für ein Konzept einer nicht-staatlichen Struktur verfasst wurden, dennoch könnten die Punkte schnell auf eine reguläre Armee umgesetzt werden, in diesem Fall eine Homo-Armee. Die Punkte des ursprünglichen Protokolls sahen die Aufstellung von Freischärler-Einheiten und Freikorps vor, die ganz bewusst als defensive Selbstverteidigungstruppe die Homokultur gegen Anfeindungen schützen würde. Daher darf auch anzunehmen sein, dass eine Pink Army, wie sie von Dritten etwas abschätzig genannt wird, sich nur auf die defensive Friedenssicherung sowie Grenzschutz konzentrieren wird, sich daher aber konsequenterweise aus Auslandseinsätzen oder gar Kriegen heraushält. In dem Protokoll finden sich aber auch amüsante Punkte, so wird dort bereits über das Aussehen und die Uniformen der Homo-Söldner umrissen. Laut Denkschrift sollen höhere Offiziere im schwarzen Leder mit Riemen und Bordüren sowie einer Peitsche oder wahlweise einer Gerte ausgestattet werden, um die Rekruten zu disziplinieren. Gefreite und Fähnriche hingegen sollen Kilts wie die Highlander der Royal Army tragen, um einerseits geschlechtsbetont in den Kampf zu ziehen und um andererseits den Feind zu irritieren, wenn im Eifer des Gefechts der Rock mal etwas zu hoch rutscht und nackte Tatsachen hervorblitzen lässt. So gesehen haben zumindest die männlichen Rekruten auch ohne Gewehr immer eine geladene Waffe dabei, jedoch sollen Frauen – wenn es nach der Denkschrift geht – ebenso für den Dienst zur Waffe herangezogen werden. In der Homokultur gelten Frauen nämlich als tatsächlich gleichberechtigt und würden genauso verpflichtet werden für das schwule/lesbische Vaterland zu kämpfen und zu fallen. Umgekehrt ist hier ein Männerleben nicht weniger wert als das einer Frau. Gängige Ausreden wie aus anderen Streitkräften, dass Krieg „eine Sache für Männer sei“ oder durch die Wehrpflicht Frauen am Arbeitsmarkt weiter benachteiligt würden, weil Schwangerschaft sie schon um knapp ein Jahr zurückwerfe, würden hier nicht gelten. Womit man zu einem anderen Punkt in der Frage um einen Homo-Staat kommen würde, die Geburten und Bevölkerungsentwicklung.

Dies ist in der Tat der kontroverseste Absatz in der Debatte um Gayland, denn zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren wären Geburten kaum vorstellbar. Vor allem männliche Paare stünden hier vor einem Problem, da bis auf Arnold Schwarzenegger bisher noch kein Mann schwanger geworden ist. Zwar gibt es Alternativen wie Adoption, künstliche Befruchtung oder Leihmütter, aber Experten bezweifeln, dass diese Methoden ausreichen würden um das demographische Defizit auszugleichen. Könnte ein ganzer Nationalstaat komplett auf die natürliche Geburt verzichten? Fest steht nur, dass die Schwulen- und Lesbenbewegung auf dem Vormarsch ist. Und dies macht dem Gegner Angst, weswegen das unverschämte Paradox lautet, dass Homos noch nie so viele Rechte hatten wie heute und sich deshalb gleichzeitig so zu fürchten hatten, um diese Rechte zu verteidigen. Wer aber prinzipiell gegen die Idee von Gayland ist, der ist auch gegen die Existenz des Staates Israel. Denn dieselben Argumente, die einst gegen einen Judenstaat hervorgebracht wurden, werden nun auch gegen ein zukünftiges Gayland in Position gebracht. Wie sagte einst Schopenhauer: Jede Wahrheit durchläuft drei Stufen: Erst erscheint sie lächerlich, dann wird sie bekämpft, schließlich ist sie selbstverständlich. Man darf nur hoffen, dass das Kämpfen sich gerade in seiner Endphase befindet.