Semesterferien, oder: „Welcher Wochentag ist heute eigentlich?“

Hachja, die „Semesterferien“. Gelegenheit, endlich einmal mit Wonne den Rollenklischees zu genügen, die die Gesellschaft mit „Studenten“ verbindet, findet Mareike Lummer. Wären da nur nicht die Stimmen im Kopf …

von Mareike Lummer

Da ist sie wieder.

Die Zeit im Jahr, in der wir schonungslos all die Dinge ausleben, für die Studierende (im Volksmund ausschließlich männlich: „Studenten“) – außer studieren – noch berühmt sind. Die Spitzenreiter: Feiern und schlafen. Der übliche Tagesrhythmus verschiebt sich dabei so stark, dass man ohne einen Kalender völlig aufgeschmissen ist. Montag oder Dienstag? Ist auch egal, wir feiern sowieso. Warum? Weil wir es können. Während des Semesters ist die wichtigste Funktion unseres Handys, neben Jodel, der Wecker. Die freie Zeit hat man folglich richtig genutzt, wenn man am Ende nicht mehr weiß, wie sich der Klingelton des Weckers anhört.

Die arbeitende Bevölkerung schüttelt dabei nur reserviert den Kopf. Wir wissen aber genau, dass sie uns insgeheim um unser zweimonatiges Delirium beneiden, in das wir uns zweimal im Jahr verabschieden. Natürlich nehmen wir uns vor, dass wir uns nur die ersten Wochen etwas gehen lassen, aber kalte Pizza schmeckt zum Frühstück einfach zu gut. Um 17 Uhr. Nach ungefähr der Hälfte der Semesterferien hören wir sie dann zum ersten Mal. Eine leise Stimme in unserem Kopf, die flüstert: „Hausarbeit“ oder „letztes Semester nacharbeiten“. Diese hartnäckige Stimme wird uns bis zum letzten freien Tag begleiten. Eigentlich sind Semesterferien wie Sonntage. Nur anfangs sorgenfrei und lang genug schlafen kann man auch nicht. Ist jedoch ein Ende in Sicht, taucht wieder die Stimme in unserem Kopf auf. Dann bereuen wir es, nicht wenigstens ein bisschen produktiv gewesen zu sein.

Wollt ihr also die Semesterferien verbringen, ohne am Ende das berühmte Sonntags-Gefühl zu bekommen? Schaut ab und an mal in die Bücher! Das geht auch während des Pizza Frühstücks. Um 17 Uhr.

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