Mann oder Frau oder doch ein drittes Geschlecht? – Eine Debatte zur Heteronormativität

Von Sarah Abbasi

Heteronormativität – wer die Genderdebatte verfolgt, wird den Begriff kennen – befasst sich mit der binären Geschlechtereinteilung, das heißt, der Einteilung in nur zwei Geschlechter so wie sie von Gesellschaft und Medizin als „normal“ angesehen wird. Diese Normalität begründet sich oft durch Argumente der Reproduktionsmöglichkeit, da Menschen des gleichen Geschlechts nicht in der Lage sind, sich fortzupflanzen. In Folge kommt es nicht nur zu Homophobie, sondern auch zu Ausgrenzungen und schmerzlichen Erfahrungen von lesbischen und schwulen Menschen. Diese persönlichen Geschichten sind vielseitig und betreffen den privaten, wie auch den öffentlichen Bereich.

Hier findet Ihr das aktuelle Programm des Schwulenreferats für 2016

Im Rahmen des Christopher Street Days auf dem Campus luden Studierende des Referats für bisexuelle und schwule Studierende am 25 Mai zu einer Debatte rund um das Thema Heteronormativität ein. In gemütlicher Atmosphäre wurden, bei Kuchen und Getränken, Beispiele und Probleme diskutiert, die vor allem homosexuelle Menschen betreffen. So beeinflussen beispielsweise heteronormative Denkmuster die Werbung, die in der Regel zwar sexistisch, dennoch aber der Norm entsprechend knapp bekleidete Frauen oder Männer zeigt. Für Aufsehen sorgte jüngst ein Plakat des LWL – Museum für Kunst und Kultur in Münster, das Werbung für die Ausstellung „Homosexualität_en“ macht, die am 12. Mai eröffnet wurde.

Das Plakat, das eine Person zeigt, die nicht eindeutig heteronormen Vorstellungen zuzuordnen ist, wurde von der Deutschen Bahn als zu sexistisch bezeichnet und sollte daher aus allen Bahnhöfen entfernt werden. Ein Jahr zuvor hing das gleiche Plakat jedoch in allen Bahnen und Bahnhöfen Berlins ohne, dass es jemanden gestört hätte. Die Tatsache, dass Münster eben nicht Berlin ist, sondern eine von der katholischen Kirche und Burschenschaften geprägte Stadt, könnte hierbei ausschlaggebend gewesen sein. Vielerorts fehlt nach wie vor die Sensibilisierung und das Wissen rund um das Thema Gender und Diversität.

Auch in den Bereichen Kindererziehung und Politik kämpfen vor allem Frauen mit heteronormativen Frauenbildern. So erhält ein Vater, der sich um seine Kinder kümmert häufig Anerkennung, wohingegen sich eine Mutter rechtfertigen muss, wenn sie wieder arbeiten gehen möchte. Das stereotype Bild der Frau, die sich um Heim und Herd kümmert besteht in vielen Köpfen fort. Auch das Klischee des rationalen Mannes, lässt Frauen in Führungspositionen oft zu sexualisierten Rollen werden. So greifen die Medien häufig das Bild „Mutter Merkel“ auf, anstatt eine Person darzustellen, die einfach ihren Job macht und dabei unterschiedliche Eigenschaften aufweist.

Eine breitgetretene Debatte ist auch das Thema des korrekten Sprachgebrauchs. So sind viele der Meinung, dass Sprache Geschlecht erst konstruiert und deshalb unbedingt gegendert werden muss. Der richtige Sprachgebrauch kann zu mehr Achtsamkeit führen und dadurch mehr Menschen auf die Problematik aufmerksam machen. Doch so lange es in den Köpfen der Menschen nicht angekommen ist, bringt auch eine Sprache, die Diversität vorgaukelt nichts. Begriffe wie Mutter oder Vater enthalten immer auch eine Geschlechtszuschreibung und bestehen nicht in neutraler Form. Um Sprache angemessen zu nutzen, müssen erst noch Begrifflichkeiten erfunden werden, die sich der binären Denkstruktur entziehen, was das ganze recht kompliziert macht.

Was Mensch dazu beitragen kann, die Heteronormativität zu dekonstruieren, muss jede_r selbst entscheiden, doch eines ist ganz klar: Aufklärung ist der Grundbaustein für eine vielfältige Gesellschaft.

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